Das schwierige Vorhaben, Rentner Ost und Rentner West annähernd gleichzustellen

Von Dirk Kurbjuweit

Noch anderthalb Jahre, dann hat Heinz Weiße die Rente durch. Wer an diesem Punkt angekommen ist, läßt normalerweise das Arbeitsleben ruhig ausklingen. Weiße hat diese Chance nicht. Er steht vor der größten und schwierigsten Aufgabe, die er je hatte: Bis der 63jährige Ostberliner in Rente geht, muß er das Rentensystem der DDR dem der Bundesrepublik angeglichen haben.

Unter dem Dach des Arbeits- und Sozialministeriums in der Fritz-Schmenkel-Straße hat Weiße, der als Rentenpapst der DDR gilt, ein kleines Büro mit schrägen Wänden. Einen Computer sucht man vergebens. Papier und Akten stapeln sich auf Tischen. Nachdem Heinz Weiße einige Rententabellen erläutert hat, nimmt er seine Brille ab, lehnt sich in seinem Stuhl zurück und sieht für einen Augenblick so aus, als merke er gerade, wie müde er ist. "Freizeit haben wir nicht mehr", sagt Weiße, "es gibt zu viel zu tun."

Viel Arbeit steht bevor, bis Rentner Ost und Rentner West ihren Lebensabend bei annährend gleichen Bedingungen verbringen können. Unter Hochdruck arbeiten die Experten hüben und drüben, um zwei grundverschiedene Systeme zusammenzulegen. Technisch ist das weit schwieriger als die Umstellung auf eine einheitliche Währung. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen das Alte abschaffen und das Neue einführen. Denn Renten wurden in der Vergangenheit verdient. Wer vierzig Jahre im SED-Staat gearbeitet hat, bekommt nun eine Altersversorgung, die genauso ungerecht ist wie die Löhne im realsozialistischen System. Gründliche Remedur, vor allem eine Neubewertung vergangener Leistungen ist deshalb nötig. Doch das braucht Zeit.

Erst schnell, dann gründlich

Die 2,9 Millionen Rentner können aber nicht warten. Denn ihre Einkommen sind so niedrig, daß eine schonungslose Umstellung auf die Deutsche Mark ihnen nur blanke Not bringen würde. Das Rentensystem wird darum in zwei Schritten angepaßt: Zunächst kommt schnelle Hilfe, später wird gründlich aufgeräumt.