Bei ihrer Gründung verstand sich die Europäische Freihandelsorganisation (Efta) als Alternative zur Europäischen Gemeinschaft. Doch dreißig Jahre später ist sie vom Tod durch Auszehrung bedroht. Großbritannien, Dänemark und Portugal hat sie bereits an die EG verloren. Österreich will nun ebenfalls in die Gemeinschaft, und weitere Efta-Mitglieder könnten folgen.

Obwohl oder gerade weil die EG an ihre Mitglieder höhere Anforderungen stellt, vor allem die Übertragung von Souveränitätsrechten und beträchtlichen finanziellen Mitteln, hat sich die Gemeinschaft als attraktiver und stabiler erwiesen als die Efta.

Der Wiener Außenminister Alois Mock rechnet damit, daß sein Land schon Ende 1993 das dreizehnte EG-Mitglied sein wird. Klappt Österreichs Integration reibungslos, dürfte sich auch in Norwegen die Waage endgültig zugunsten der Gemeinschaft neigen. Die Norweger lehnten zwar 1971 in einem Referendum den Beitritt ab, doch inzwischen hat sich ein Meinungsumschwung vollzogen.

Das wiederum belebt die Debatte in Finnland und Schweden, wo sich einige Parteien und viele Industrielle schon heute zugunsten der EG-Mitgliedschaft äußern. Im Extremfall werden nur noch Island und die Schweiz das Efta-Banner hochhalten.

Vor allem das Binnenmarktprogramm der Gemeinschaft zieht Mitglieder von der Efta ab. Die EG mausert sich von einer Zollunion mit kostspieliger gemeinsamer Agrarpolitik zu einem wirklichen Binnenmarkt ohne Grenzen. Doch die Beziehungen zur Efta wurden nicht im gleichen Tempo aufgewertet. Für deren Mitglieder stellt sich nun die Alternative: Entweder sie kopieren getreu jeden Integrationsschritt der Gemeinschaft, oder sie geben einen Beitrittsantrag ab. Beide Wege bringen Einschnitte in die Souveränität und Neutralität der Staaten.

In dieser Zwangslage erschien es fast wie ein Geschenk des Himmels, als der EG-Kommissionspräsident Jacques Delors im vergangenen Jahr der Efta ein neues Globalabkommen anbot, das einen gemeinsamen "Europäischen Wirtschaftsraum" (EWR) schaffen soll. Delors Bedingung: Die Efta selber müsse sich eine festere Struktur geben, damit die EG nicht ständig mit sechs verschiedenen Ansprechpartnern konfrontiert sei. Dann könne man den EG-Binnenmarkt der Zwölf zum Europäischen Wirtschaftsraum der Achtzehn vergrößern.

Es dauerte lange, bis die Freihandelsgruppe merkte, daß Delors nicht aus purem Altruismus handelt. Ihm geht es vor allem darum, einer Welle von Beitrittsgesuchen vorzubeugen. "Unsichere Kantonisten" wie das neutrale Österreich wurden von Delors nicht gerade mit offenen Armen empfangen, zumal sich die EG zur politischen Union fortentwickeln soll, wie es ja auch auf der Tagesordnung des Dubliner Gipfeltreffens am kommenden Wochenende steht.