Mit höheren Gebuhren sollen bundesdeutsche Kontoinhaber zur verstärkten Nutzung moderner Bankelektronik erzogen werden. Kunden der Deutschen Bank können zum Beispiel vom 1. Juli an wählen zwischen einer pauschalen Kontoführungsgebühr von 7,50 Mark im Monat und einer Einzelberechnung, bei der jede Buchung gesondert – mit stolzen Sätzen – in Rechnung gestellt wird. Weil aber Schalterpersonal im Vergleich zum Geldausgabeautomaten teuer ist, schließt auch die Kontoführungspauschale der Deutschen Bank nicht alle Dienste ein: Die Barauszahlung an der Kasse kostet künftig immerhin eine Mark – ein happiger Betrag.

Als Alternative will die Deutsche Bank bis zum Jahresende ihr Netz der Geldausgabeautomaten auf 750 verdreifachen. Nicht mehr weit ist es dann bis zur "vollelektronischen Bankzweigstelle", wie sie heute bereits in einigen Zentren zu finden ist: Ob Festgeldanlage, Überweisung oder Kreditberechnung – der Kunde erledigt alles selbständig am Schalterterminal.

Kontoführungsgebühren entwickeln sich ohnehin zu einer erklecklichen Ausgabeposition der privaten Haushalte. Im Durchschnitt bezahlen Bundesbürger jährlich mehr als 200 Mark für ihr Girokonto, hinzu kommen Extrakosten, etwa für die regelmäßige Postzustellung des Kontoauszuges. Vor rund dreißig Jahren hatten Branchen und Sparkassen ihre Kunden mit ganz anderen Versprechungen gelockt. Damals entdeckten sie den bargeldlosen Zahlungsverkehr als willkommene Einnahmequelle: Aus den meist unverzinsten Guthaben bildet sich ein attraktiver "Bodensatz", der zu hohen Zinsen ausgeliehen werden kann. Weil auch die Unternehmen die arbeitsaufwendige Lohntüte loswerden wollten, propagierten die Kreditinstitute die "selbstverständlich" kostenlose Kontoführung für jedermann.

Erst in den siebziger Jahren begann dann das große Klagen über Millionenverluste aus dem bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die Kontoführungsgebühren stiegen unaufhaltsam. Manches Institut verquickte mit Eifer sogenannte Pauschale, Postengebühr und umsatzabhängige Spesenberechnung, so daß die Kunden kaum noch durchblickten. Transparenz kam auch 1986 nicht in den Markt, als die Preisangabenverordnung in Kraft trat. Die Institute sind zwar seitdem verpflichtet, ihre Kontoführungsgebühren in einem Aushang aufzuschlüsseln, denn noch verwirren diese Listen mehr als sie aufklären. Das Gebührenkarussell drehte sich dann weiter, als aufsehenerregende Gerichtsurteile die Wertstellungspraxis der Institute bemängelten. Banken und Sparkassen dürfen seitdem nicht mehr zusätzliche Erträge aus kundenunfreundlicher Wertstellung erwirtschaften, sondern müssen alle Kosten klar auf den Tisch legen – und Bareinzahlungen auf private Konten taggleich verbuchen.

Den zunehmenden Klagen der Verbraucherverbände begegnen die meisten Institute mittlerweile mit der Umstellung der bisherigen Postgebühren auf Monatspauschalen. Die wenigsten sind dabei so verbraucherfreundlich wie etwa die Noris-Bank: Bei den Nürnbergern sind nicht nur alle Buchungsgebühren mit einer Jahrespauschale von achtzig Mark abgegolten, sondern auch die Kosten für die Eurocheque- und die Visa-Kreditkarte. Der Kunde muß lediglich auf die bei den meisten anderen Kreditkarten im Beitrag enthaltenen Versicherungsleistungen verzichten, die jedoch nach Auffassung der Stiftung Warentest ohnehin oftmals "Mogelpackungen" darstellen.

Die meisten anderen Kreditinstitute sind deutlich teurer und bauten bei ihren Pauschalen auch noch einen "Sicherheitszuschlag" gegenüber der bisherigen Postengebühr ein. So müssen bei der Dresdner Bank in Berlin inzwischen immerhin 120 Mark jährlich bezahlt werden, die Bank für Gemeinwirtschaft nimmt gar 144 Mark Pauschale und berechnet die Kreditkarte mit zusätzlichen 40 Mark. Als besonders attraktiv stellte die Commerzbank ihre Pauschalregelung jüngst in der Werbung heraus: Doch inklusive Eurocard-Gold zahlen Commerzbank-Kunden mittlerweile auch schon eine Pauschale von 200 Mark.

Es geht auch anders: Neben den gänzlich gebührenfrei buchenden sechzehn Sparda-Banken gilt die Deutsche Bundespost nach wie vor als Billig-Anbieter. Verlangt wird eine Pauschale von 1,80 Mark für bis zu fünf Buchungen und 2,50 Mark für bis zu zehn Posten monatlich. Und während Geschäftskunden bei Banken und Sparkassen meist die Erfahrung machen müssen, daß die Pauschalsätze nur für private Girokonten gelten und für Geschäftskonten mit traditionell vielen Buchungsposten Einzelgebühren abgerechnet werden, gibt sich die Post bei bis zu 300 Buchungen mit 18 Mark und bei unbegrenzt vielen Buchungen mit 35 Mark Monatspauschale zufrieden. Und dafür werden die Kontoauszüge sogar kostenlos frei Haus geliefert. Manko der Post jedoch: Das gelbe Konto darf nur kurzfristig mit bis zu 1000 Mark überzogen werden. Zudem zeigt sich die Post bei Nachforschungen und Spezialfällen wie etwa der Einreichung ausländischer Schecks wenig flexibel.