Nein, wir gehören bestimmt nicht zu denen, die nur fliegen, um nörgeln zu können. Demütig nehmen wir Verspätungen hin. Ohne zu murren, gehorchen wir allen barschen Anordnungen des Flugpersonals. Nur wenn die Stewardeß das Tablett mit dem Essen vor uns ablädt, fangen wir still zu jammern an, eingedenk dessen, was uns nun bevorsteht. Wir wissen, daß wir – wie immer – mühsamst erst einmal alle möglichen Plastikverpackungen zerreißen, zersägen und zerknüllen müssen, um dann zu einem Mahl vorzustoßen, bei dem das Putenfleisch so blaß schmeckt wie seine Farbe und die Weintraube so künstlich wie sie ausschaut. Was bleibt, ist ein Berg von Abfall.

Alles überflüssig. Denn wir hätten eine vorzügliche Lösung parat – billig, sauber und noch dazu, was unsere Idee besonders bedenkenswert macht, ohne Arbeit für die Stewardessen: Wir schlagen vor, daß sich jeder seinen Picknickkorb mitbringt.

Wie in guten alten Eisenbahnzeiten wird es dann sein, kaum gestartet, hebt das große Essen an. Es stinkt nicht mehr einheitlich nach aufgewärmtem Rührei, sondern zarte Knoblauchdüfte wehen durch den Gang, der köstliche Geruch von alten Camembert und frischem Leberkäse hängt zwischen den Sitzen, es riecht nach balsamicoessiggewürzten Salaten und Dillsauce für die Krabben.

Und dann die Kurzweil, wenn wir unsere Tischlein decken mit blütenweißem Damast oder buntkariertem Linnen und wenn wir in kommunikative Tauschgespräche mit unseren Nachbarn treten. Ein Stückchen Ardenner Schinken gegen ein Eckchen Gorgonzola, ein Gäbelchen Feldsalat mit Speck gegen ein Löffelchen calvadosdurchtränkten Obstsalat, ein paar Körnchen Kaviar gegen ein Wachtelei, ein Achtel geräucherter Renke gegen einen Klacks Tiramisu, einen Schluck Chablis gegen einen Becher Buttermilch.

Und dem bemitleidenswerten Geschäftsmann in der Reihe gegenüber, der den Trend der Zeit verpaßt hat und sich noch immer die Zähne beim Plastikaufreißen ruiniert, der sich durch Salz-, Pfeffer-, Zucker-, Zahnstocher- Besteck-, Instantmilchbeutelchen wühlen muß, ihm schieben wir gönnerhaft ein Tellerchen zu mit selbstgemachter Kaninchensülze, marinierter Entenbrust, eingelegten Steinpilzen, dazu reichen wir ein Gläschen von dem Landwein, den wir direkt von unserem italienischen Winzer mitgebracht haben und spendieren zum krönenden Abschluß noch einen kräftigen Schluck Aprikosengeist. Freundschaften fürs Leben können so entstehen.

Ja, selbst Stewardessen könnte man für ein Lächeln mit einem Täßchen edelfeinem Mokka aus unserer Thermoskanne entlohnen oder mit frischgepreßtem Orangensaft, damit die Armen nicht mehr auf ihre Pappkanister angewiesen sind.

Von finanziellen Stürmen gebeutelten Fluggesellschaften liefern wir mit unserer Idee gleich noch einen kleinen Sanierungstip. Für die Damen und Herren, die nun partout nicht mit Henkelmann und Rotkäppchenkorb reisen wollen, werden an Bord Carepakete bereitgehalten von Käfer oder vom Lufthansa-Partyservice – zu gesalzenen Preisen, versteht sich. In New York, so erreichte uns das Gerücht, soll es schon einen Händler geben, der die passenden Freßkörbe für die Luft zusammenkomponiert – für fünfzig Dollar und mehr.

Monika Putschogl