Der scheinbare: In der europäischen Medienlandschaft drohen die Niederländer unterzugehen wie einst in den Fluten der Nordsee. Wir haben das erfahren können, als 1989 die osteuropäischen Staaten sich von ihren kommunistischen Regierungen befreiten. In der gleichen Zeit gab es in den Niederlanden Wahlen und eine komplizierte Regierungsbildung. Darüber wurde außerhalb der Niederlande so gut wie nichts berichtet.

Der wirkliche Nachteil: Da die Niederländer sich noch immer gern als ein Volk von Fischern und Bauern begreifen, leben dort mehr Kühe und Schweine (17 Millionen) als Menschen (14 Millionen), und das Land ist inzwischen zum zweitgrößten Exporteur landwirtschaftlicher Produkte (nach den USA) geworden. Das fröhliche Landleben hört jedoch auf, gesund zu sein, wo Ackerbau und vor allem Viehzucht mit solcher Intensität betrieben werden. Der Boden ist verseucht von natürlicher Jauche und künstlichem Dünger, und wer lange genug mit einem Boot durch die Grachten gefahren ist, sehnt sich nach der Sauberkeit der Mosel, die von den Holländern denn auch gern im Urlaub besucht wird.

Während der letzten fünfzig Jahre ist aus einem Gebiet, das einmal weltberühmt war für seine adrette Sauberkeit, nach dem Urteil des eigenen Reichsinstituts für Volksgesundheit "das schmutzigste Land Westeuropas" geworden.

Alle Energien jedoch, die dadurch frei geworden sind, daß das vielhundertjährige Übel der watersnood weitgehend gebannt ist, werden in den Niederlanden jetzt auf den Kampf gegen die Umweltverschmutzung konzentriert. Wer diesen Staat in Zukunft regieren will, muß grüner sein als die Grünen. Vielleicht werden die Niederlande mit ihrer Liebe zum Radfahren und Eislaufen eines Tages wieder nicht nur das reichste, sondern auch das sauberste Land Europas. Und dann können die Holländer doch auch auf nur 40 000 Quadratkilometern groß und glücklich sein.