Doch nicht nur Pest und Cholera machten den Postlern zu schaffen, sondern auch recht modern anmutende Tatbestände: "Raub – Diebstahl – Betrug". Auf einem Stich überfallen bewaffnete Räuber in öder Felsengegend einen Postwagen und stürzen ihn um. Eine Leipziger "Warnung vor betrügendem Postpersonal" von 1743 führt acht Betrugsvarianten auf, darunter zuviel erhobenes Reisegeld im Personenverkehr; manipulierte Franco-Vermerke...

Vielleicht tritt dieser oder jener Besucher am Schluß der akribisch aufgebauten Ausstellung nochmals vor das Bild des Franz von Taxis (1459 bis 1517). Nomen est omen? Man stutzt über die Ähnlichkeit des ersten Generalpostmeisters mit einem echten Dachs. Man prüft die Entdeckung im Lexikon nach. Tatsächlich heißt es dort, daß der Dachs, "Meister Grimbart" in der Sage, ein massiger Geselle mit breitem Kopf, kurzem Hals und gedrungenem Rumpf sei. Er verhalte sich mürrisch, einsiedlerisch, sei auf die Sicherheit seines Baus bedacht. Das aber könnten genau die Eigenschaften sein, mit denen ein Jahrhunderte überdauerndes Sozialunternehmen errichtet wird. Respekt!

Mit dem Zerfall des Deutschen Bundes 1866 schlug der Taxis-Post die letzte Stunde. Der Weg zu einer einheitlichen, verstaatlichten Post war frei. Wurde sie dadurch schneller, zuverlässiger, sicherer? Das ist eine andere Frage.

Die Ausstellung im Marstallmuseum, Emmeramsplatz 5, ist bis zum 29. Juli täglich geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Mark.

Esther Knorr-Anders