Von Anna Quindlen

NEW YORK. – Wer über Vergewaltigung sprechen will, hat es schwer, die richtigen Worte zu finden. Eine junge Frau, die vor mehr als einem Jahr spätabends den Campus der Universität von Nebraska verließ, um zu ihrem Auto zu gehen, fand diese Worte:

„Einen Augenblick lang spürte ich, daß er Angst hatte. Dann aber breitete sich auf seinem Gesicht Genugtuung aus. Das war das Widerlichste, was ich je gesehen hatte, und zugleich auch der demütigendste und entsetzlichste Moment der ganzen Qualen, abstoßender noch als die erlittene körperliche Tortur. Offensichtlich war er zufrieden mit sich und mit dem, was er mir gerade angetan hatte. Diesen Blick der Selbstzufriedenheit konnte ich der Polizei gar nicht so schildern, wie ich ihn mit meinen eigenen Augen hatte ertragen müssen. Ich glaube, er wird einem anderen Menschen das gleiche antun, was er mir angetan hat. Ich wünschte, ich könnte das verhindern. Ich kenne die Hölle, durch die sein nächstes Opfer gehen wird, auf ihrem Weg zurück vom Ort der Tat, wohin uns solche Menschen schleppen.“

Den Namen der jungen Frau kenne ich nicht. Mir liegt nur ihr Bericht vor, den mir ihr Professor mit ihrer Einwilligung geschickt hat. Viermal habe ich ihn gelesen. Nun warte ich auf den Tag, an dem er mich nicht mehr zum Weinen bringt.

Vor einem Jahr sprach fast ganz New York von der Bande, die im Central Park eine Joggerin vergewaltigt hatte. Einige Leute vermuteten in dem Überfall einen Ausbruch von Klassenhaß; denn das Opfer war an leitender Stelle in einer Bank tätig, die mutmaßlichen Täter stammten aus den benachbarten Slums. Andere sahen dahinter rassistische Motive, denn sie war weiß, die Männer schwarz.

Seien wir ehrlich: Ein sexueller Überfall ist in erster Linie ein Angriff auf das andere Geschlecht. Er zeigt, welche Gefühle manche Männer gegenüber Frauen hegen. Er zeigt, daß sie sich berechtigt fühlen, ein anderes menschliches Wesen in die Sträucher des Central Parks zu werfen, zwischen schmutzige Papiertaschentücher und Cola-Dosen, als sei es ein Stück Müll.

Und ein solcher Überfall zeigt auch: Sie glauben, Frauen mögen Sex, der ihnen mit Gewalt aufgezwungen wird. Judith Becker, Leiterin der Sexual Behavior Clinic am New York State Psychiatric Institute bestätigt, daß unter den einschlägigen Tätern allgemein die Ansicht vorherrscht: Sie wollte es ja.