Von Judith Reicherzer

Wir müssen zusammenhalten, damit Jacobs Suchard als David unter den Goliaths auf dem Markt bestehen kann, hatte Klaus Jacobs seine Manager vor vier Jahren noch beschworen. Jetzt steigt er aus und verkauft das Unternehmen an den Riesen Philip Morris. Die beiden Schweizer Traditionsmarken Suchard und Toblerone, aber auch Jacobs Krönung und die Milka-Kuh fallen an die Amerikaner.

Schon vor einigen Jahren verkündete der 53jährige Firmenchef, frühzeitig Privatier zu werden. Jetzt macht er Ernst – wohl nicht ganz freiwillig. Denn Klaus Jacobs hatte sich bei seinem Aufstieg zum Alleinherrscher über Jacobs Suchard finanziell übernommen. Im vergangenen Jahr zahlte er seine Geschwister aus und mußte dafür 700 Millionen Schweizer Franken aufnehmen. Die Zinsen aber sind derzeit hoch, die Dividendenerträge reichten nicht für den Schuldendienst. Schon im April hatte Jacobs bekanntgegeben, daß er nach Partnern suche, weil „der globale Markt erhöhte Investitionen“ erfordere. Damals auch mußte der gebürtige Deutsche und Wahlschweizer erstmals nach acht Jahren deutliche Einbußen eingestehen: 1989 sank der Gewinn des Konzerns um zehn Prozent auf 310 Millionen Mark.

Seine Karriere hat Klaus Jacobs 1970 begonnen, als er seinen Vater vom Chefsessel verdrängte und selbst die Führung im hanseatischen Familienunternehmen Joh. Jacobs & Co übernahm. Seitdem suchte er fast besessen nach Expansionsmöglichkeiten für den Bremer Kaffee-Großhandel. Der erste Versuch schlug fehl. Jacobs hatte den Betrieb neu strukturiert und den Firmensitz nach Zürich verlegt, weil er mit der holländischen Kaffeefirma Douwe Egberts ins Geschäft kommen wollte. Doch die Fusion platzte 1974. Acht Jahre später erwies sich der Umzug in die Schweiz dann aber doch als Vorteil: Jacobs kaufte die Schweizer Schokoladenfirma Interfood, die aus der Fusion von Suchard und Tobler entstanden war.

Um die Klage der Eidgenossen vom Ausverkauf ihrer Traditionsmarken im Keim zu ersticken, paßte sich der Norddeutsche perfekt an. Er ließ sich in Küsnacht am Zürichsee einbürgern, lernte fast akzentfrei Schwyzerdütsch, spendete fürs Züricher Opernhaus und für die Pfadfinder – und schaffte als Dressurreiter sogar den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft. Seine neuen Landsleute akzeptierten den Wahlschweizer denn auch. Schließlich bekam unter seiner Leitung die Toblerone wieder neuen Glanz.

Das Unternehmen expandierte kräftig. Die Umsatzsprünge in den achtziger Jahren waren allerdings allein auf die Kaufwut von Jacobs zurückzuführen. So übernahm Jacobs Suchard 1986 die österreichische Schokoladenfirma Bensdorp und die deutsche Von-Houten-Gruppe. 1987 folgten die italienische Schokolade Du Lac und die belgische Côte d’Or. Im selben Jahr kaufte Jacobs Suchard auch noch die amerikanische Süßwarenfirma Brach – zu teuer, wie damals schon Experten munkelten. Aber Klaus Jacobs wollte unbedingt zum Multi aufsteigen. Selbst in Japan wollte er Lila Pause – jene berühmten Schokoriegel – einführen. Im vergangenen Jahr gründete Jacobs Suchard eine Tochterfirma in Tokio.

Zweimal allerdings geriet Klaus Jacobs in seinem Expansionsdrang in eine Sackgasse. 1986 wollte er den Schweizer Marmeladenkonzern Hero unter seine Kontrolle bringen, doch das Management wehrte sich erbittert gegen die „feindliche Übernahme“. Als dann noch Schweizer Politiker lamentierten, das Unternehmen solle „nicht an einen Deutschen fallen“, zog sich Klaus Jacobs lieber aus der Affäre. Seinen Ruf als Vorbildschweizer wollte er nicht aufs Spiel setzen. Ganz leer ging er zudem nicht aus, denn aus dem Aktiengewinn flossen vierzig bis sechzig Millionen Schweizer Franken in die Kassen der Familie. Zwei Jahre später lieferte sich Klaus Jacobs eine Übernahmeschlacht mit seinem Konkurrenten Helmut Maucher. Der deutsche Vorstandsvorsitzende des Schweizer Nestle-Konzerns war ebenso wie er an der britischen Rowntree interessiert. Am Ende siegte die finanzkräftigere Nestlé – und Jacobs machte wieder einmal Plus. Der Aktienverkauf brachte ihm 200 Millionen Pfund ein.