Als Oskar Lafontaine nach dem Amt des ersten gesamtdeutschen Vorsitzenden der SPD griff, zog er sich den Vorwurf zu, alles auf einmal zu wollen. Kaum fügt er sich dem Verlangen, die ersten Schritte der geeinten Sozialdemokraten solle Hans-Jochen Vogel anführen, steht er als Mann der halben Sachen da.

Der Parteivorsitz war zunächst als Kompensation dafür gedacht, daß der Kandidat beim Staatsvertrag nachzugeben hatte. Jetzt mußte er doppelt zurückstecken: Die Partei will ihm weder in der Sache noch in der Person blindlings folgen. Was er als Voraussetzung für den Wahlkampf forderte, den Gehorsam, darf er nun, wenn überhaupt, allenfalls hinterher erwarten. Da empfiehlt sich Wilhelm Busch als Urlaubslektüre: „Wenn einer, der mit Mühe kaum geklettert ist auf einen Baum, schon meint, daß er ein Vogel wär’, so irrt sich der.“ R. L.