Das große Lob, das dem irischen Premier Charles Haughey am Ende des Dubliner Gipfels gezollt wurde, war verdient. Mit sicherem Gespür für die Empfindlichkeiten der Europäer, aber auch mit einem natürlichen Sinn für die Darstellungschancen, die sich aus einer erfolgreichen EG-Prasidentschaft ergeben, führte er die Staats- und Regierungschefs über einen Gipfel, dessen Bewältigung sie sich vor einem halben Jahr selber noch nicht zugetraut hätten.

Wichtigstes Ergebnis von Dublin ist der Beschluß, im Dezember das Verfahren für die politische Union in Gang zu setzen. Das Datum ist mit dem Beginn der Regierungskonferenz über die Wirtschafts- und Währungsunion gekoppelt. Vor einem halben Jahr mußte Präsident Mitterrand sie den Regierungschefs noch mühsam abringen. In Dublin war sie schon kein kontroverses Thema mehr. Zwar gibt es unter den Fachleuten noch Bedenken, aber die Chefs sind seit Dublin einen Schritt weiter und streben nun eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik an. Nicht alles, was jetzt beschlossen wurde, mag großen Ansprüchen genügen. Vielleicht hat auch nicht jeder der Zwölf genau gewußt, worauf er sich einließ. Doch sie alle bewegte das Gefühl, daß das politische Gelände auf dem sich die Gemeinschaft bewegt, fundiert werden muß, damit sie dem schnellen Schritt der Geschichte standhalten kann. Der deutsche Einigungsprozeß, der in der Gemeinschaft unausgesprochen tiefsitzende Sorgen und Ängste geweckt hat, wirkt da bereits als willkommener Treibsatz für eine schnellere europäische Integration. Zu verstehen ist deshalb, daß Frau Thatcher dem Beschluß, die politische Union anzuvisieren, nicht ihren prinzipiellen Widerwillen entgegensetzte, sondern nur ihren skeptischen Pragmatismus. Sie möchte die Deutschen festlegen, ohne sich selber binden zu müssen. Doch dieses diplomatische Kunststück fällt selbst ihr schwer. So dienen britische Widersprüche dem europäischen Fortschritt. N. G.