Noch scheinen sich die Befürworter einer harten Haltung gegen die Sandinisten, zum Beispiel der bei der Ämtervergabe enttäuschte, weltläufige Vizepräsident Virgilio Godoy von den Liberalen, zu zügeln. Aber schon spricht der Vorsitzende der Nationalkonservativen Partei und Sozialversicherungsminister Silviano Matamoros vom Zusammenschluß aller konservativen Gruppierungen mit einer "sehr klaren Opposition gegenüber den Sandinisten". Das politische Spektrum gleicht einem Mobile, das der leiseste Anstoß durcheinanderbringen kann.

Heinz Westphal wird wohl empfehlen, die Entwicklung vorerst weiter zu beobachten, gleichwohl aber Hilfe zu leisten. Es besteht eine Chance, in Nicaragua die paternalistisch-feudalistischen Machtverhältnisse ebenso zu überwinden wie die festgefahrene, marxistisch inspirierte Revolution; das könnte womöglich sogar mit Unterstützung der Revolutionspartei gelingen, die aus ihren Fehlern lernen will. Für die "Landenge der Seufzer", wie Pablo Neruda Mittelamerika einmal genannt hat, bedeutete dieser Ansatz zu einer neuen politischen Kultur mit demokratischem Wechselspiel viel – vielleicht mehr als der revolutionäre Erfolg der Sandinisten.