Reiseland

Der alte Wanderweg Rennsteig führt jetzt wieder von Thüringen nach Franken

Von Ulrich Schmidt

Es ist eine Lust zu reisen. Der Bahnsteig des DDR-Grenzbahnhofs Gerstungen, den der Wanderer zwischen beiden Deutschlands jahrzehntelang nur menschenleer gesehen hat, ist nun belebt von munter plaudernden Reisenden. Auch mit dem Fahrrad gibt es keine Probleme mehr. In Eisenach wird es mir freundlichst aus dem Packwagen gereicht.

Auf der Devisen-Rennbahn Eisenach – Weimar – Leipzig – Dresden rauscht der Verkehr. Da freut sich die Minderheit. Denn um so ungestörter ziehen die Wanderer zu Fuß und zu Rade oben auf dem Rennsteig entlang, in einer Höhe zwischen 700 und 800 Meter, Stille und Waldluft genießend. Sie essen gut und billig in Berggaststätten und übernachten in kleinen Orten am Wege bei Thüringern, deren Adressen in dem Buch „27 500 Privatquartiere in der DDR“ aufgeführt sind.

Muß man den Rennsteig, Deutschlands berühmtesten Bergwanderpfad, noch erklären? Wohl doch, man muß wieder, denn es hat sich einiges geändert an diesem Schicksalsweg der Nation. Als uralter und lange Zeit geheimer Eilbotenweg in der Mitte von Barbarossas Kaiserreich gelegen, hat er neben der verbindenden Funktion zugleich seit jeher auch eine trennende, nämlich als Wasserscheide von Rhein und Elbe sowie als Sprachgrenze zwischen Thüringen im Nordosten und Franken im Südwesten.

Vor hundert Jahren wurde der Rennsteig als 168 Kilometer langer Wanderweg von dem Dorf Hörschel am Ufer der Werra bis zu der Industriekleinstadt Blankenstein an der Saale ausgebaut. Bei Kriegsende geriet er ins touristische Abseits. Die Stacheldrahtgrenze und die militärische Sperrzone der DDR zerstückelten ihn und machten ihn selbst für DDR-Bürger zumindest streckenweise unerreichbar.