Andorra, das zwischen Spanien und Frankreich eingeklemmte Zwergfürstentum in den Hochpyrenäen, will ganzjährig Urlaubsland werden. Es setzt dabei auf Ferien in der Natur.

Mit beginnender Schneeschmelze wurde es bisher immer still in den Tälern der sieben andorranischen Gemeinden. Dann strömten nur noch die Kauflustigen durch die Boutiquen und Supermärkte von Andorra La Vella und Sant Julia de Loria – auf der Suche nach zollfreien Superschnäppchen. Das soll nach dem Willen des Ministeriums für Tourismus und Sport nun ganz anders werden. Zwar will man die Interessenten in Sachen Zigaretten und Calvados, Unterhaltungselektronik, Parfüm und Edelklunkern nicht vergraulen, schließlich hängt der bemerkenswerte Wohlstand des ehemals bitterarmen Hochgebirgslandles am erfolgreichen Duty-free-Geschäft. Aber die 30 000 Hotelbetten und 250 Restaurants sollen nicht mehr nur in der Skisaison, sondern auch sommers genutzt werden.

Gut zu Fuß und zu Pferde sowie exzellente Fischer und Jäger zu sein, sagt man den Andorranern seit über einem Jahrtausend nach. Also bietet Andorra im Sommer jetzt Bergwandern und -steigen, Ausritte ins Gelände, Jagd sowie Tontaubenschießen und die Pirsch auf die Lachs-, Bach und Seeforelle an. (Der Angelschein für eine Woche kostet 33 Mark).

Ohne Übertreibung gilt: Der Zwerg auf den Bergen bietet Natur pur in erhabener Landschaft. Zwanzig Fast-Dreitausender umstellen das Land, fünf Zweitausender durchziehen es von Nordosten nach Südwesten. Wer die Gipfel stürmen will, verabredet sich mit einem Bergführer des Clubs Pirinenc (Telephon 228 47). Wer’s gemächlicher angehen will, vertraut sich den beiden gut markierten Bergwanderwegen an, an denen insgesamt 21 Blockhäuser und Berghütten aus Naturstein kostenlose Rast oder Übernachtung ermöglichen. Mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erschließen beide Fußwege selbst hoch- und abgelegene Schönheiten des Fürstentums. Für Leute, die nicht (mehr) ganz so gut zu Fuß sind, hat sich der Verkehrsverein etwas ausgedacht: In Kleinbussen wird ein markantes Ziel angefahren und dort ein geführter Spaziergang angeboten.

Am bequemsten ist es jedoch, wenn man nur einmal aufsteigt – und die restliche Mühe dem Pferd überläßt. Vollblüter, bergfeste Halbblüter, isländische Tölker und Ponys stehen bei der Federaciö Hipica (Telephon 323 99) oder der Casa No-No (Telephon 366 62) bereit. Erwartet wird lediglich, daß man weiß, wie man auf dem Pferderücken bleibt.

Andorra geht mit den internationalen Trends, und dazu zählt auch Kultur in Sonderangeboten. Fünf Rockgruppen bestreiten die lange Pop-Rock-Nacht in Encamp vom 30. Juni auf den 1. Juli, es folgen drei Jazzabende Anfang Juli in Escaldes, fünf Juliabende mit ernster Musik in Ordino und zwei Wochen Folklore satt zur Monatswende Juli/August in allen sieben Tälern.

Wie kaum eine andere geschlossene Landschaft Westeuropas ist Andorra – abgesehen von ein paar häßlichen Pistenwunden – noch sauber und unberührt. Wenn es da nicht einen garstigen Tick unter den einheimischen Jugendlichen gäbe: die wachsende Liebe zum Motorsport.