ZDF, 18., 20. und 23. Juni: „Alle meine Babys“

Die Babys kommen. Seit ein paar Jahren schon spielt der Film mit dem Reiz des Kindchen-Schemas. Von „Drei Männer und ein Baby“ bis „Kuck mal, wer da spricht“ wurden die minderjährigen Hauptdarsteller immer jünger. Im letztgenannten Streifen sieht man den Star gar in pränataler Selbstentfremdung als Ei und Spermatozoon. Aber es ist nicht nur der Appeal der süßen Kleinen, der seit Jahren in den Filmateliers boomt, es ist zugleich die historisch neuartige Konstellation Säugling/männlicher Betreuer, die da abgebildet und nach ihrer komischen Seite hin ausgebeutet wird.

Die neuen Baby-Filme, nicht für Kinder und erst recht nicht ‚für die ganze Familie“, sondern für Singles gedreht, zeigen, daß die alltägliche Last des Kinder-Wartens sich mit einem sinnlichen Entzücken an den kleinen Scheißern zu verbinden strebt, die auch Herren nicht verschont.

Von kritischen Frauen wurde die Baby-Welle im Kino, die ganz wie der funktionelle Vorläufer „Kramer gegen Kramer“ den väterlichen Mann als reziprokes Komplement der Karrierefrau inszeniert, mit dem Vorwurf belegt, hier solle Stimmung gegen die arbeitende Mutter und womöglich gar gegen den Schwangerschaftsabbruch gemacht werden. Ob das nicht doch eine Fehldeutung ist? Ich sehe in dem Filmpärchen Kerl-Kleinkind einen Spiegel des internationalen Mittelschichten-Großversuchs, das Attribut „väterlich“ im handgreiflich-praktischen Sinn mit der Würde des Mannes zu vereinbaren. Wenn John Travolta zwei Filmstunden lang straflos ein Baby herzen darf, ist die Männlichkeit hinfort um eine zarte Farbe reicher.

Nun hat auch das ZDF den Trend gewittert und in einer zwölfteiligen Comedy-Folge seine beiden Protagonisten, zwei sympathische Schlaffis, gleich ein ganzes „Baby-Center“ aufmachen lassen. Der Winzling entwickelt hier nicht, wie in den amerikanischen Varianten, seine verführerische Individualität, sondern zappelt, greint und äugt gleich im Dutzend, das heißt als pure Staffage. Damit ist eine Quelle von rührender Komik verspielt und dem aufgesetzten Jokus freie Bahn geschaffen. Daß obendrein die Zwerglein in dieser Komödie mengenweise meist stillvergnügt in ihren Betten hocken, während ein Zimmer weiter die Erwachsenen herumulken, wirft ein Licht auf die Milieukenntnis der Macher.

Babys zu hüten ist ein Knochenjob, und mehr als drei pro Sitter sind im Grunde kaum zu verkraften. Aber schlimmer als der Mangel an Realismus ist der durch diesen Mangel verschenkte dramatische Schub, der die Konstellation Kerl-Kleinkind überhaupt erst reizvoll machte. Irgendwie rumblödeln kann man auch ohne Babys.

Nun, es ist der erste Versuch des ZDF, die Bizarrerie des schnöden Alltags in einer Situationskomödie nach amerikanischem Muster einzufangen, und das immerhin kann man anerkennen. Die beiden Hauptdarsteller Wolfgang Pregler und Georg Weber albern mit viel Sinn für Ökonomie der Gesten und Gesichter, sie retteten bislang Alle meine Babys vorm Sturz in den Krampf. Doch ohne Dialogwitz wird’s nichts werden. Der bisherige Höhepunkt: „Wie heißt denn die Kleine?“ „Kurt.“ Barbara Sichtermann