Nelson Mandela, der schwarze Führer Südafrikas, wurde in New York von Hunderttausenden mit Jubel und Konfetti empfangen wie einst General McArthur, als er siegreich heimkehrte. Die Zeiten haben sich geändert. Die Helden sind andere geworden. Heute werden nicht mehr Feldherren und Eroberer verehrt, sondern Unterdrückte, die befreit wurden. Für die Schwarzen war Mandela schon immer ein Mythos, aber nun sind auch die Weißen von ihm fasziniert: Nach 27 Jahren Gefängnis seinen Widersachern ohne Ressentiment und Ranküne entgegenzutreten, dabei entschlossen, keine umgekehrte Apartheid zu praktizieren – das ist imponierend.

Mandela ist bereit zu Versöhnung und konstruktiven Zusammenarbeit mit der Regierung. Daß er nicht generell auf Gewalt verzichtet, worüber sich seine Kritiker empören, ist ganz verständlich. Einmal kann er angesichts der vielen radikalen Chaoten in den Townships für deren Gewaltlosigkeit nicht einstehen, zum anderen lautet sein Argument: "Gewalt praktiziert die Regierung, die uns die politischen Rechte vorenthält und uns verbietet, dort zu leben, wo wir leben möchten; wenn friedliche Aktivitäten im Kampf gegen die Apartheid nicht erlaubt werden, dann ist Gewalt nichts anderes als Notwehr."

Nicht so verständlich ist dagegen sein Beharren auf Sanktionen gegen Südafrika: Jetzt, da Präsident de Klerk ungeachtet des Widerstandes der radikalen Weißen mit seinen Reformen und seiner Bereitschaft zu Verhandlungen großen Mut beweist, sollte ihm Entgegenkommen erwiesen werden. Nie war eine florierende Wirtschaft in Südafrika so notwendig wie heute, wo abzusehen ist, daß für die Schwarzen Tausende von Schulen gebaut und Lehrer ausgebildet werden müssen. Sollte es notwendig werden, Sanktionen neu einzuführen, so ist dies doch jederzeit unschwer möglich. Im übrigen ist die Drohung mit einer Wiedereinführung viel wirkungsvoller als die Aufrechterhaltung der existierenden. Dff