Von Helmut Schödel

Der Mond scheint, Wind blättert in den Bäumen. Am Ufer des Neckars steht ein junger Mann mit einer jungen Frau. Sie liebt ihn, aber er will sie nicht. Mit ein paar steilen Sätzen – der junge Mann ist ein Dichter – weist er sie ab: "Du sahst aus wie eine Frau. Da rann das Gedicht hinüber in dein Blut. Wo bleibt mir noch Verpflichtung?" Mond, Wind, Mann, Frau: Es ist ein Weinen in der Nacht zu hören.

Der Mond scheint noch immer. Noch ein Dichter betritt die Szene. Er hat Frau und Kinder, eine Schwiegermutter und eine Stellung im Ministerium. Auch er verzehrt sich nach dem jungen Mann. Er sagt: "Ich leide." Darauf der Junge: "Ich zahle bar." Und: "Ein Bürger wird überall Bürger bleiben. Auch in der Kunst."

Als der rücksichtslose junge Dichter seinen Heimatort Roche verließ, fuhr er, bevor er an den Neckar kam, mit einem Güterzug wie ein Hobo nach Paris, erste Station seiner Flucht: "Für Geld kann jeder fahren", sagte er. "Ich aber bin nicht jeder."

Szenen aus Paul Zechs dramatischer Ballade "Das trunkene Schiff", erschienen 1924. Verlaine trifft Rimbaud, der Bürger den Unbedingten, der Etablierte den Amokläufer.

Eigentlich trafen sich die beiden Dichter in einem Gastspiel der Ostberliner Volksbühne (Regie: Frank Castorf), aber in Ingoh Brux’ "Nürnberger Kulturzirkus" wurde man die beiden auch sonst nicht mehr los. Jetzt, da alles Wasser den mainstream hinunterfließt, sah man beim Nürnberger Festival, vom Publikum nicht sonderlich geliebt und von der lokalen Presse unverstanden, Hobos und Barzahler.

Zu ihnen gehört die Wiener Malerin, Filmemacherin und Diseuse Mara Mattuschka, unterschätzt wie seinerzeit Georg Ringswandl. Dabei ist sie nicht nur ein Allroundtalent, sondern auch ein Original, eine Entdeckung.