Johlend strömen die Massen am Nachmittag mit reichlich Bier versehen in die Arena, Transparente und Tröten unter dem Arm, ausstaffiert wie für ein Fußballspiel. Kommt der Stier hereingerannt, hebt ein markerschütterndes Gegröle an, schmettern Kapellen mit gewaltigem Getöse in alle vier Himmelsrichtungen. Manche haben einen Radiorecorder mitgebracht und lassen lärmende Rockmusik laufen. Der geringste Anlaß ist dem Publikum Grund genug für lautes Geschrei; Sitzkissen und Knoblauchzehen fliegen aus der Menge in die Arena. Begreiflicherweise kommt es so selten zu Glanzleistungen, selbst vorzügliche Matadore müssen hier manche Schlappe einstecken. Manche gar weigern sich schier vor solch ungehobeltem Publikum aufzutreten, doch kaum einer kann sich das leisten. Die Stierkämpfe lassen selbst Interessierte gleichgültig werden und erhärten das Urteil der von jeher Abgeneigten, die corridas seien eben doch nur Tierquälerei zur Volksbelustigung.

Am Abend setzt sich der Trubel fort. Kapellen, Feuerwerke, Prozessionen, Tanz und Gesang in allen Ecken und Winkeln der Stadt. Sechs Tage und sechs Nächte verebbt die Stimmung nicht. Dann, in der Abenddämmerung des siebenten Tages, dem Aschermittwoch San Fermíns, ziehen Kapellen über die Plätze und durch die Gassen und spielen klagende Weisen. Die Menschen versammeln sich ein letztes Mal und singen "Pobre de im", das Lied vom Kummer darüber, daß nun die Fiesta von San Fermín zu Ende geht.

In den Restaurants und Cafés purzeln die Preise um die Hälfte auf ihre gewöhnliche Höhe hinunter. Pamplona ist zu dieser Stunde ein einziger Müllberg. Ein weißgekleideter Läufer hält den Roman von San Fermín, geschrieben von Jake Barnes und Brett Ashley, in die Höhe, läßt die Hosen fallen und deutet auf eine Oberschenkelnarbe, die offensichtlich von einem Hornstoß herrührt. Adiös, Señor Hemingway! Nichts anderes verkörpert den Mythos von Mr. Papa lebendiger als Pamplona in den Tagen San Fermíns.