Von Dirk Kurbjuweit

Wir wollen gerade aufbrechen, da meldet der Verkehrsfunk: Sechs Kilometer Stau auf der A7 von Hamburg in Richtung Flensburg kurz hinter dem Elbtunnel. Uns berührt das zum Glück nicht, denn wir fahren in die andere Richtung, nach Leipzig. In neunzehn Stunden eröffnet dort die erste Automobilausstellung in der DDR. Sie soll, so haben wir gehört, Startsignal sein für einen gewaltigen Autoboom bei unseren ostdeutschen Landsleuten. Wir freuen uns.

Leider müssen wir dann feststellen, daß der Mühlendamm in der Hamburger Innenstadt total überfüllt ist. Stop-and-go bis zur Autobahn. Als wir dann endlich so richtig Gas geben können, dauert der Spaß nur wenige Minuten, weil natürlich wieder einmal jemand einen Unfall gebaut hat.

Das Auto in der bundesdeutschen Gesellschaft bedeutet Lebensqualität, Lebensstandard, bedeutet Freiheit und Freizügigkeit. Die gleichen Erwartungen und Einschätzungen gegenüber dem Auto hat der Bürger der DDR. Diese Erwartungen sollen sich erfüllen. (Auszug aus einer Rede zur Eröffnung der Automobilausstellung in Leipzig)

Noch siebzehn Stunden bis zur ersten Automobilausstellung in der DDR, und im Verkehrsfunk hören wir, daß auf neun Autobahnabschnitten Verkehrsbehinderungen drohen. Da ist zum Beispiel ein Stau zwischen den Ausfahrten Braunschweig-Nord und Braunschweig-Ost, in dem wir nun mittendrin stehen. Eine halbe Stunde vergeht in Schleichfahrt, dann sind es nur noch sechzehn Stunden bis zur ersten Automobilausstellung in der DDR.

Personenkraftwagen sind für sehr viele Menschen und zunehmend in den Ländern Osteuropas Symbol der Freiheit und der individuellen Lebensgestaltung. Gerade für die DDR-Bürger mit der wiedergewonnenen Reisefreiheit eröffnen sich durch die mit Pkw und Motorrädern zu erreichenden Reiseziele neue Erlebnismöglichkeiten. (Auszug aus einer weiteren Eröffnungsrede)

In der DDR fließt der Verkehr zum Glück recht zügig, so daß wir ohne weitere Probleme nach Leipzig kommen. Ganz gegen unsere Erwartung sind am nächsten Morgen die Straßen Richtung Messegelände frei, und wir finden sogar ohne Probleme einen Parkplatz. Jetzt ist es aber wirklich Zeit für das Startsignal zum Autoboom in der DDR. In fünf Minuten eröffnet die Messe.