Unser Papa

Nanu, noch ein Magazin! Wir Fußballfreunde staunten nicht schlecht, als am Montag beim Aufschlagen des über alles geschätzten Sportteils der Süddeutschen Zeitung ein Supplement auf den Frühstückstisch flatterte. Reicht denn das eine, das neuerdings der Freitagsausgabe beiliegt, nicht? Weit gefehlt: Denn die bunte Broschüre wirbt für das Privatunternehmen der CSU, für die Bayern AG, und den Vorstandsvorsitzenden derselben, Max Streibl, Ministerpräsident, genannt "Unser Papa". Papa ißt gern Tafelspitz und vergißt nie den Hochzeitstag. Außerdem lasen wir viel über die Liberalitas Bavariae ("Toleranz und Traum"), a bisserl über Heimat ("Bocksbeutel und Berge") und Umwelt ("Raumfahrtzentrum und Radi") und über urgewaltige Positionen ("Bayern bleibt Bayern!"). Dieses Image hatte die Firma schon vorher bei allen Preußen, selbst bei den japanischen. Eine weißblaue Neuigkeit muß freilich an dieser Stelle wiederholt werden, weil nur der süddeutsche Leser der Süddeutschen sie erfuhr: Bayern ist "die zwölftgrößte Exportnation der Welt"; seine "Wirtschaftskraft ist stärker als die der gesamten DDR". "Reschpekt, Reschpekt", können wir "Ausländer" da nur noch sagen.

Vogelschießen

Der Bürgermeister konnte nicht kommen, er mußte nach Bonn. Dort wurde eine historische Entscheidung gefällt – über den Staatsvertrag zur deutschen Einheit. So mußte die Harburger Schützengilde ihr traditionelles Vogelschießen ohne den Hamburger Landesfürsten Dr. Voscherau veranstalten. Dies teilte die Staatliche Pressestelle der Freien und Hansestadt Hamburg mit. Merke: Bundespflicht bricht Landespflicht – und die Mitarbeiter von Pressestellen wollen auch beschäftigt sein.

König Fußball

Volkswirtschaftlich betrachtet hätte ein frühes Ausscheiden bei der Fußballweltmeisterschaft in Italien allen teilnehmenden südamerikanischen Ländern gutgetan. Denn wenn die Lieblinge der Nation auf dem Feld der Ehre spielen, bleiben viele "Latinos" ihrem Arbeitsplatz fern. Den krisengeplagten Staaten entstehen so Schäden in Milliardenhöhe. Nur mit Mühe konnte die argentinische Regierung einen Vorschlag des Innenministers Julio Mera Figueroa abblocken, seinen Landsleuten bei Spielen der Argentinier freizugeben. Beim Nachbarn Uruguay ließ sich das Problem dagegen lösen. Dort wurden die Arbeitszeiten von vornherein dem Spielplan angepaßt.

Volle Arsenale

Die jüngste Veröffentlichung des amerikanischen Kongresses läßt aufhorchen: Immer mehr Entwicklungsländer kaufen immer weniger Rüstungsgüter. "Nur" noch 29 Milliarden Dollar gaben Dritte-Welt-Staaten im vergangenen Jahr für Waffen aus – ein Viertel weniger als 1988. Ist dies ein Beitrag des Südens zur Friedenssicherung? Wohl nicht. Denn Rüstungsexperten auf dem Capitol führen die verminderte Kauflust auf andere Ursachen zurück: auf die horrende Verschuldung vieler Entwicklungsländer und auf die vorhandenen Waffenvorräte, die erst noch "aufgebraucht" werden müßten.