Wer kann das schon glauben, daß diese locker-flockigen, netten, jungen Leute, die sich so sportlich lässig aus ihren Autos neigen mit der Frage: "Sprechen Sie Deutsch?" es tatsächlich gut mit uns meinen? Mit uns Urlaubern auf Lanzarote zum Beispiel, wenn sie uns ganz zwanglos zum Kennenlernen der Time-Sharing-Idee einladen?

Mich kriegt ihr nicht, und wenn ihr mich noch so optimistisch anlächelt. Ich nehme noch nicht einmal eure Einladungskarte entgegen. Auch mit der kostenlosen Taxifahrt zu den Objekten der Begierde könnt ihr mich nicht ködern. Wer auf solche plumpen Versprechungen hereinfällt, kann doch nur blöd sein. Warum soll ich mir Anteilscheine aufschwatzen lassen, um dann mehrere Wochen im Jahr in der Anlage urlauben zu dürfen?

So hab’ ich gedacht, bis ... ja, bis ein so gar nicht lässiger, eher schüchterner, junger Mann mich ansprach und mir seine Situation erzählte: Student, 23 Jahre alt, Bafög, keine Möglichkeit, auch mal unter südlicher Sonne Ferien zu machen.

Hier konnte ich nicht länger hart sein, man will ja helfen: Also erschien ich am nächsten Tag an der vereinbarten Stelle, und wir ließen uns mit dem Taxi kostenlos zu der herrlichen Appartementanlage fahren, die "geshared" werden sollte.

Und damit begann unser Einstieg in das Time-Sharing-System, das inzwischen unsere Urlaubsvormittage sinnvoll ausfüllt. Statt wie bisher nur faul am Wasser zu liegen oder die Strandmeile zwischen Autoabgasen und Lärm herauf- und herunterzuwandern, fahren wir jetzt zirka zweimal wöchentlich mit dem Taxi in herrliche, neuerschlossene Gegenden und besichtigen Bilderbuch-Wohnungen. Wir sitzen unter Palmen oder Sonnenschirmen, ein kühles Getränk vor uns im Glas, erhalten manchmal sogar ein Mittagessen, und freundliche, junge Leute nehmen sich Zeit für uns. Alles kostenlos!

Sie fragen zuerst immer, woher wir kommen, was wir beruflich machen, wo wir unseren Traumurlaub verbringen möchten. Wir können ausführlich über unsere geheimsten Wünsche berichten, ohne Angst, daß uns das Wort einfach unhöflich abgeschnitten wird. Wo kann man das sonst noch?

So vergehen schnell zwei Stunden. Dann schaue ich regelmäßig – scheinbar erschrocken – auf die Uhr und rufe: "Mein Gott, wie die Zeit vergeht, wir haben uns ja in einer halben Stunde verabredet!"