DIE ZEIT

Was noch zum Wohlstand fehlt

Der Anfang ist geglückt: Die Bundesbank hat die zweite deutsche Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg meisterlich abgewickelt.

Was zur Einheit jetzt noch fehlt

Deutschland ist im Grunde schon wieder eins geworden – auch wenn vorerst noch zwei deutsche Staaten existieren. Seit dem vorigen Sonntag gibt es in unserem Land keine trennenden Grenzen mehr.

Zeitspiegel

Es mußte soweit kommen: In Beirut kann heute jedermann seine eigene Miliz führen – für knapp vierzig Mark. "Bürgerkrieg" heißt das Brettspiel, das Naji Tueni, ein christlicher Buchhändler aus Ost-Beirut, entwickelt hat.

Worte der Woche

"Wenn die Demokratie mich entläßt, werde ich mich gerne erholen und angeln gehen. Kanzler Helmut Kohl hat mir vor einiger Zeit eine Angel geschenkt, mit der ich noch keinen einzigen Fisch gefangen habe.

Polen: Krieg an der Spitze

Erst sah es so aus, als würde sich der Machtkampf im Bürgerkomitee, dem politischen Flügel der Solidarnosc, etwas beruhigen.

Nato-Gipfel in London: Signale an den Kreml

Nicht alles dreht sich um die deutsche Frage. Bei dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des Nordatlantikpaktes in London diese Woche sind die Auswirkungen der deutschen Vereinigung ein wichtiges, aber nicht das entscheidende Thema.

Wolfgang Ebert: Thema verfehlt

Vor haargenau sechs Jahren saß ein Autor seinem Verleger gegenüber, um das Urteil über sein jüngstes Manuskript zu hören. Der Verleger lehnte sich zurück, nuckelte an seiner Zigarre und meinte dann kopfschüttelnd: "Also, Verehrtester, da ist Ihnen aber ganz schön der Pegasus durchgegangen.

Ben Witter: Angetippt

Schlagfertige Politiker und aufgeregte Schnellschreiber haben den Betonkopf entdeckt. Der Holzkopf, angesichts des edlen Materials immer bearbeitungswürdig, liegt beim alten Eisen, der Dummkopf verkriecht sich in den Schoß der Gesellschaft, und ein Totenkopf, ob ausgegraben oder als Kokarde mißbraucht, weist Geschichte nach.

Kanadas zwei Einsamkeiten: Ahornblatt oder Lilie?

Premierminister Brian Mulroney hatte Königin Elisabeth II. von England schon vor Monaten zum kanadischen Nationalfeiertag eingeladen – in der Hoffnung, es werde ein Jubelfest geben.

Denken an Deutschland: Der große Sprung

In diesen Tagen hat das größte Experiment begonnen, das je in der modernen Weltwirtschaft über die Bühne gegangen ist: die Verschmelzung zweier ausgewachsener Staaten und Wirtschaftssysteme.

Rückblick: Unruhen in Albanien: Keine Öffnung

Hatten Beobachter in den vergangenen Wochen vorschnell geurteilt, als sie von einer vorsichtigen Öffnung im Skipetarenland sprachen? Geht es den Albanern, denen gerade erst Reisefreiheit versprochen wurde, mit der Demokratisierung der letzten Bastion des orthodoxen Kommunismus in Osteuropa vielleicht nur zu langsam? Die Härte, mit der die albanischen Sicherheitskräfte gegen Menschen vorgegangen sind, die in mehreren ausländischen Botschaften Zuflucht gesucht haben, läßt freilich an der Reformwilligkeit des Staats- und Parteichefs Ramiz Alia zweifeln.

Bonner Bühne: Schlaflose Nächte

Tun wir mal so, als würde, was ja auch wahrscheinlich ist, das künftige gesamtdeutsche Parlament noch eine ganze Weile in Bonn bleiben.

Nachlese: Probleme im Vatikan: Schweigend leiden

Mit römischer Geschmeidigkeit, die den deutschen und den eigenen Starrsinn mildern, doch nicht mindern kann, hat die vatikanische Glaubenskongregation Kardinal Ratzingers jenen Theologen die Leviten gelesen, die ihren Kopf über dogmatische Mauern heben.

Augen zu und rein!

Die Adria sieht mal wieder aus wie ein Binnensee. Die Wasseroberfläche scheint blankpoliert zu sein, nicht einmal das Geräusch am Strand auslaufender Wellen ist an diesem Junimorgen zu hören.

Schildkröten gegen Diskotheken

Würden Sie bitte Ihren Sonnenschirm näher ans Wasser stellen? An diesem Strand vergraben seltene Schildkröten nachts ihre Eier, und die könnten durch die Schirme zerstört werden.

DDR-Kabarettmesse: Gib Stoff, Karl-Heinz!

Zum "Ersten Bunten Hahn" wollte sich mausern, was einst die betulichen Frankfurter "Chansontage" waren, zu einer Messe für Cabaret, Chanson, Rocklieder und Pantomime.

Wohnungsnot: Obdachlos mit Examen

Wochenlang sorgte in Frankfurt ein "Obdachlosenmörder" für Aufregung, der zur Nachtzeit in Parkanlagen zuschlug. Der Täter ist mittlerweile gefaßt, die Sorgen der Wohnungslosen sind fürs erste wieder einmal aus den Schlagzeilen.

Handelsboykott: Die Welt verbessern?

Daß Uwe Beckmeyer in seiner Heimatstadt Bremerhaven mal Juso-Vorsitzender war, ist ihm heute nicht mehr anzumerken. Spätestens seit seiner Wahl zum Bremer Wirtschaftssenator 1987 hat er "seinen Frieden mit der Marktwirtschaft gemacht", wie es einer seiner Mitarbeiter formuliert.

Stadtkultur: Krawall ums Phantom

Ich will raus!" rief die Dame im Abendkleid und schmiß dem Ordner ein Champagnerglas vor die Füße. Doch niemand durfte in der Pause draußen frische Luft schnappen – aus Sicherheitsgründen.

Bonner Kulisse

Gäbe es den vom Bund der Steuerzahler schon seit Jahren geforderten Straftatbestand der Amtsuntreue, müßte fast das gesamte Bundeskabinett auf die Anklagebank.

Europäische Währungsunion: Ein Dollar für Europa

Heute vereint sich Deutschland und morgen ganz Europa. Einst als weltfremd bezeichnete Visionen, wonach es auch in der Europäischen Gemeinschaft bald nur noch eine Währung, eine Zentralbank und möglichst eine Wirtschaftspolitik geben wird, nehmen allmählich konkretere Formen an.

Christian Tenbrock:: Bush am Ende seines Lateins

Nach langem Zaudern hat Präsident George Bush ausgesprochen, was in Amerikas Politik während des vergangenen Jahrzehnts als unaussprechlich galt: Um die maroden Staatsfinanzen der Vereinigten Staaten in Ordnung zu bringen, sollen die Bürger tiefer in die Tasche greifen.

Genug für alle

Bei aller Freude geriet der Start in die Währungsunion für einige hundert Ostberliner zum Horrorerlebnis. Sie gehören zu jenen zehntausend DDR-Bürgern, die am Ostberliner Alexanderplatz in der Stunde Null auch gleich das neue Geld ergattern wollten.

DDR/Land: War was?

Hohenholz, Freitag, zwei Tage bis zur Währungsunion. In Hohenholz, nahe der Grenze zu Polen bei Stettin, gibt es eine Dorfstraße aus Sand und Kopfsteinpflaster, drei Dutzend flache Häuser, ein Schloß, düster und verfallen, ein Denkmal für die "Helden der Sowjetarmee", hundert Einwohner sowie Schweine, Hühner, Enten und Gänse.

Probezeit

Das Kaufhaus Konsument in Cottbus will jetzt tatsächlich "im Dienst des Kunden" arbeiten, wie die Leuchtschrift auf dem Dach schon immer großsprecherisch verhieß.

West-Berlin: Gunst der Stunde

Die City der Berliner West-Sektoren bietet am Morgen danach ein gewohntes Bild. Schwäbische Schüler auf Klassenfahrt kühlen ihre müden Füße im Weltkugelbrunnen.

Haben und Sein

Sonntag morgen katholischer Gottesdienst in der Cottbusser Kirche St. Maria Friedenskönigin. Zu Beginn wird ein Lied gesungen: "Menschen auf dem Weg durch die dunkle Nacht, habt Vertrauen, fürchtet euch nicht, Christus hat euch Leben und Heil gebracht.

Aufbruch

Samstag abend vor der Kneipe. Der junge Mann plaudert gern und viel. Ja, ein "blinder Fan des HSV" sei er. Mußte man bei dem Gekicke der vergangenen Saison auch sein.

Kehraus

den Geschäften sind – auch noch am Sonntag – Menschen am Werk. Sie räumen Regale aus, putzen und stapeln die alten Waren. Die neuen stehen schon auf Paletten bereit, sie verdrängen die alten.

Verheißung

Autoschau auf einem Fußballfeld. Da stehen all die blitzenden, begehrten Symbole des Wohlstands in Reih und Glied. An jeder Karosse, vom kleinen Billigmodell bis zur blitzenden Komfort-Limousine, sind Trauben von Menschen versammelt.

Hohe Konzentration

Das durchgehend staatlich organisierte Gesundheitssystem der DDR unterscheidet ebenso wie das System der Bundesrepublik zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

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