Mit römischer Geschmeidigkeit, die den deutschen und den eigenen Starrsinn mildern, doch nicht mindern kann, hat die vatikanische Glaubenskongregation Kardinal Ratzingers jenen Theologen die Leviten gelesen, die ihren Kopf über dogmatische Mauern heben. Eineinhalb Jahre nach der aufmüpfigen „Kölner Erklärung“ von 163 Professoren wird ihnen – ohne sie zu erwähnen – eine „Instruktion“ erteilt, die auch andere warnen soll.

Da wird auf das „Charisma der Unfehlbarkeit“ des kirchlichen Lehramtes gepocht, das auch bei „nicht definitiven“ Aussagen nicht nur aus Disziplin, sondern aus der „Logik des Glaubensgehorsams“ respektiert werden soll – sogar dann, wenn seine Lehrdokumente „nicht frei von Mängeln“ sind und sich Wahres mit Ungewissem „unentwirrbar“ mische.

Milde wird den Theologen zugestanden, weil sie „das Lehramt anregen, die Lehre gründlicher und besser vorzulegen“; ihre Spannungen mit Rom sollen jedoch nicht „zu Spaltungen ausarten“ und schon gar nicht in den Massenmedien verbreitet werden. Dem Theologen, der anderer Meinung bleibt, wird „schweigendes Leiden“ empfohlen ...

Und seine Gewissensfreiheit? Die Kirche habe „immer“ (?) daran festgehalten, daß niemand zum Glauben gezwungen werden darf. Doch Meinungspluralismus soll nur „in Wahrung der Einheit“ berechtigt sein; wer das Volk durch „gefährliche Sondermeinung verwirrt“, muß disziplinarische Folgen ertragen. Schließlich sei das Gewissen nicht unfehlbar; Hierarchie, nicht Demokratie entspreche dem göttlichen „Geheimnis“ katholischer Kirchengemeinschaft. Härte also mit Dissidenten? Nein, der Vatikan ruft sie und die Bischöfe „inständig“ zum Dialog und gesteht, daß es „gewisse mit dem Menschsein auf Erden verbundene Hindernisse“ gibt. Auch in Rom – so wäre hinzuzufügen. Hj. Ste.