Wie, bitte sehr, erkennt sich der Business-Class-Passagier der Lufthansa? Woraus bezieht er sein Selbstverständnis?

Nun, erst mal natürlich aus der blauen Bordkarte, die ihn abhebt von den billig reisenden Mitfliegern mit den grünen Karten, den Economy-, Holiday-, Flieg & Spar-Passagieren. Und dann durch den Abfertigungsschalter mit dem blauen Schild – wenn nur die jungen Damen an den Countern nicht so undiszipliniert wären!

Hat mich doch jüngst eine dieser Damen an ihren Schalter mit dem roten Schild gewinkt – dem kümmerlichen Abglanz des roten Teppichs für den Erste-Klasse-Passagier aus längst vergangenen Fliegerzeiten – und mich dort abgefertigt, obwohl ich doch nur ein ganz simples Business-Class-Ticket hatte. Und das nur, damit ich nicht so lange warten mußte. Ich hoffe, sie hat deshalb keinen Ärger bekommen mit ihrem Stationsleiter oder mit einem First-Passagier. Schließlich: Business ist Business und First ist First, deutlich voneinander getrennt durch eine feste Wand in der Kabine, die breiten Sitze, das Glas Sekt vor dem Start und die persönliche Anrede mit dem Namen.

Und der Geschäftsreisende? Statt einen Bügel zu bekommen, muß er seinen Mantel in das Gepäckfach über den Sitzen stopfen. Aber dadurch gewinnt das Kleidungsstück eben jenen modern-lässigen Knautschlook, der so geschätzt wird. Weist er doch den Träger ebenso wie der gelbe Kofferanhänger als professionellen Flugpassagier aus.

Doch ein entscheidender Mangel blieb: Jahrelang mußte der Geschäftsreisende Schulter an Schulter mit den Grünkarten sitzen. Da mußte natürlich etwas geschehen, denn die Konkurrenten der Kranich-Linie machten inzwischen viel Bouhee um ihre Business Class.

Das Ergebnis eines sicher denkwürdigen Brainstormings in der Marketingabteilung war dann bemerkenswert: Pro Flugzeug wurden zirka fünf bis zehn Quadratmeter brauner Stoff besorgt und zu einem beweglichen Vorhang verarbeitet, mit dem seither die Business Class fast ebenso strikt von den anderen Paxe getrennt wird wie die First. Und so erlebt man denn immer wieder, wie die vollzahlenden Geschäftsreisenden dichtgedrängt in ihrer Extraklasse sitzen, während es sich hinten die Holiday-Flieger in ihren Sitzreihen bequem machen können. War’s so gedacht?

Ach, und dann gab es für den Business-Class-Reisenden noch ein Päckchen als Douceur, mal feine Hummersuppe, mal exzellente Pralinen, mal exotische Früchte. Doch was macht ein Geschäftsmann, der morgens von Hamburg nach Frankfurt fliegt, den ganzen Tag über mit einem Päckchen, das nicht in seinen Aktenkoffer paßt? Die Hummersuppe als Konferenzsnack zwischendurch? Wer hat schon immer Dosenöffner und Spirituskocher dabei?