Helm ab vorm Altar

Wenn Männchen sich feinmachen, gibt’s kein Halten mehr; das kennt man. Frauen früherer Generationen unterstützten das auch noch, ahnungslos: Uniformen beispielsweise fanden sie enorm sexy; ein Umstand, den Propagandafilme stets ausnutzten. Manche Männer finden sich selbst im bunten Rock noch heute unwiderstehlich. In Uniform (mit Affenschaukel) vor den Traualtar – das wär’s doch. Helm ab zur Ehe, stillgestanden. Doch hier droht sich ein Konflikt allergrundsätzlichster Art zu entzünden, wie folgende Meldung der Nordelbischen Kirchenzeitung aufdeckt: „Mayen/Eifel (epd). Für die Möglichkeit einer Trauung in Uniform hat sich das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Mayen in der Eifel mehrheitlich ausgesprochen. Wie jetzt bekannt wurde, erwartet das Presbyterium nun von den drei Pfarrern der Gemeinde, daß diese in Zukunft Trauungen auch dann vornehmen, wenn der Bräutigam eine Uniform trägt. Zu der Presbyteriumsentscheidung war es nach Auskunft von Militärpfarrer Lutz Buchwald gekommen, nachdem ein Gemeindepfarrer Anfang April die Trauung eines Soldaten in Bundeswehruniform abgelehnt hatte. Auch die beiden anderen Gemeindepfarrer sollen solche Trauungen in der Vergangenheit aus Gewissensgründen mehrfach abgelehnt haben.“

Oh Gott, Herr Pfarrer. Sehet die Lilien auf dem Felde... Schlechtes Gewissen vielleicht deshalb, weil Sie sich verpflichtet fühlten, die Braut vor diesem Mann zu warnen?

Halsloses Ungeheuer

In der Urlaubszeit kann der wahre Misanthrop alljährlich noch ein bißchen dazulernen. „Besonders auf Reisen erkennt man, wie häßlich die Leute sind“, schreibt der französische Theaterkritiker Paul Leautaud (in einem bitterbösen Brief mit dem trügerisch-sonnigen Titel „Sommerfrische, Sommerfrische“). Wie gerufen kam seinem Haß ein Erlebnis in seinem alljährlichen Feriendorf: „Ein kleines, benachbartes Chalet ist von einem Urlauberpaar belegt. Ein Angestelllter oder Handlungsreisender mit einer entsprechenden Gattin. Sie haben eine Art Kind bei sich, etwas schief und krumm Gewachsenes, Haarloses, Gelbliches, Faltiges, mit O-Beinen und dem Gesicht eines Hutzelgreises – das Ganze sieht aus wie eine aufgeblasene Dickdarmhaut. Zweieinhalb Jahre etwa. Das ist ihr Schatz, ihr Wunderwerk. Dieser Mann verbringt sein Leben auf der Straße, um diesen Gegenstand spazieren zu führen...“ Schnell abreisen, Paul, schnell. Es brüllt schon wieder.