Ernst-Thälmann-Str. 25, Bernau, 1280. Ernst-Thälmann-Str. 52, Borna, 7200. Ernst-Thälmann-Str. 28, Genthin, 3280. Ernst-Thälmann-Str. 2, Greiz, 6600. Ernst-Thälmann-Str. 27, Grevesmühlen, 2420. Thälmannstr. 83, Rudolstadt, 6820. Ernst-Thälmann-Platz 2, Wittstock, 1930.

Einige Adressen der Deutschen Bank in der DDR. Aus einer ganzseitigen Anzeige des Kreditinstituts mit der Überschrift: „Von Anfang an eine gute Adresse“.

Eine Art von Schändung

Nun gut – man wußte, kaum war das Erzbischöfliche Diözesanmuseum zu Paderborn 1975 geweiht, daß es darüber noch manchen Streit geben werde. Erstens hat der (unterdessen mit dem höchsten Architekturpreis doch auch dafür ausgezeichnete) Kölner Architekt Gottfried Böhm ein sehr prägnantes, mit dem Dom nebenan zwar höflich korrespondierendes, aber unübersehbar selbstbewußtes Gebäude entworfen, das ein Musterbeispiel für das immergrüne Thema des „neuen Bauens in alter Umgebung“ ist. Zweitens hat die Transparenz des Innenraumes mit seinen Treppen und Podesten mancherlei Schwierigkeiten beim Ausstellen heraufbeschworen. Drittens gab es Probleme mit Temperierung und Belüftung, so daß manche Kunstwerke offenbar Schaden nahmen. Doch statt sich mit dem Architekten zu beraten und gemeinsam mit ihm auf Abhilfe zu sinnen, machte sich das Generalvikariat mit absolutistischem Eigensinn daran, die radikalen Umbaupläne ohne ihn zu schmieden: Verlegung des (absichtlich auf den Dom bezogenen) Einganges, Schließung von vier Fünfteln aller Fensterflächen, Errichtung eines vierstöckigen Anbaus für die Klimatisierung des Museums, Zerstörung der Transparenz durch Zwischenwände und feste Balustraden. Nein, an Abriß war selbstverständlich niemals gedacht worden, bloß an eine sogenannte Sanierung – nur daß das berühmte Bauwerk danach, wie Mechthild Kock in der Neuen Westfälischen Zeitung befürchtet, „nicht mehr sehr viel mit den Intentionen des Urhebers zu tun haben“ werde. Da so grundsätzliche Eingriffe in Baukunstwerke das Urheberrecht verletzen, dürfte es erst einmal einen spannenden Prozeß geben.

Die Akademie protestiert

Als wollte sie zeigen, daß vierzig Jahre ihres Bestehens (unlängst: Festvortrag von Walter Jens, Senatsfrühstück) sie keineswegs ermüdet, sondern eher noch ermuntert haben, trat die rührige Freie Akademie der Künste in Hamburg mit einer zornigen Resolution auf den Plan. Ihr Thema ist eine zur Zeit vor allem in Berlin und Hamburg grassierende Unsitte, die Gesamtstadt und ihre Zusammenhänge außer acht zu lassen, um sich finanzschweren Investoren gefällig zu machen. Die Berliner SPD ist wild entschlossen, gegen alle Vernunft – und alle Einwände der Vernünftigen in der Koalition – ein ungefähr zehn Fußballfelder großes Terrain am Potsdamer Platz an Daimler-Benz zu verkaufen und damit automatisch jede Hauptstadtplanung zu präjudizieren. In Hamburg ist der Senat schon dabei, die riesigen Endgrundstücke der Speicherstadt im Freihafen zu verkaufen und bebauen zu lassen, ohne die Planung „im städtebaulichen Zusammenhang von Stadt und Hafen zu betreiben, systematisch vorzubereiten und in Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu erörtern“. In der Resolution der Akademie wird deshalb auch der „überhastete und schlecht vorbereitete“ Wettbewerb (für das attraktivere der zwei Grundstücks-Areale) kritisiert, nicht zuletzt das Fehlen „eines übergreifenden Denkmalschutzgesetzes für die Speicherstadt und ihr Umfeld“. Was nun den Schutz der einzigartigen, durch die Senatspolitik latent (und offenbar mit Absicht) gefährdeten Speicherstadt angeht, so hat die SPD-Fraktion es soeben abgelehnt, das berühmte Bauensemble gesetzlich vor Entstellungen zu bewahren. Nicht genug, hat sich der für den Denkmalschutz zuständige Kultursenator (FDP) dem Protest dagegen entzogen. Als die Kulturdeputation den Schutz der Speicherstadt forderte, enthielt er sich (senatsloyal) der Stimme – und fiel seinem Konservator in den Rücken. Woraus man lernt: Kultur wird nur geehrt, wenn sie den Gelderwerb nicht stört.

Letzte Meldung

Eine Szene aus der schönen neuen DDR-Welt, gesehen im Ostseebad Zingst, Juli 1990: In ihrem Puppenwagen fährt ein etwa siebenjähriges Mädchen ihr Kaninchen, auf Heu gebettet, spazieren. Auf der Plane des Puppenwagens befindet sich eine Aufschrift: „Einmal streicheln 10 Pfennige.“