Bei dem derzeitigen Gedränge am Himmel und auf den Flughäfen drohen sie ins Abseits zu geraten – die kleinen Flugzeuge der Regionalgesellschaften sind den Betreibern der großen Airports ein Dorn im Auge, benötigen sie doch für Start und Landung mindestens genausoviel Zeit wie ein großer Jet. Frankfurt sucht daher nach einem Ausweichflughafen für die kleinen Flieger, damit sie die Großraummaschinen nicht länger stören.

Reisenden kann diese Entwicklung gar nicht recht sein. Verbinden die Turboprops doch kleine Flughäfen in der Region mit dem Rhein-Main-Airport und ermöglichen ihnen dort den Anschluß an die große weite Welt. Mindestens so wichtig ist der Regionalflugverkehr für die Geschäftsreisenden, denn er verbindet regionale Wirtschaftszentren miteinander und erspart lästiges Umsteigen an überfüllten Knotenpunkten. Wer zum Beispiel vom östlichen Ruhrgebiet nach München will, müßte sich nach Düsseldorf aufmachen, um von dort mit der Lufthansa an die Isar zu jetten. Nutzt er jedoch die in Dortmund ansässige RFG und fliegt direkt vom Flughafen Dortmund-Wickede nach München-Riem, spart er einige Stunden.

Diese Verbindungen zwischen Provinzflughäfen oder auf Routen, für die sich ein großer Jet nicht lohnt, werden mehr und mehr genutzt. Stiegen 1984 in der Bundesrepublik nicht einmal 700 000 Passagiere in die kleinen Maschinen mit bis zu fünfzig Sitzen, so waren es im vergangenen Jahr schon 2,5 Millionen. Die Zahl der angebotenen Strecken kletterte von 48 vor fünf Jahren auf über 130 im Jahr 1989. Viele dieser Verbindungen gehen in das benachbarte Ausland, womit aus dem Regional- ein Interregionalverkehr geworden ist.

Auch das Image von den Luftschüttlern im Regionalverkehr stimmt nicht mehr. Die Turboprops der neuen Generation haben Jetkomfort, demnächst werden auch Mini-Jets eingesetzt werden.

Die größte unter den kleinen Gesellschaften, die DLT, ist eine 52prozentige Tochter der Lufthansa, sie fliegt alle Verbindungen im Auftrag der LH und mit LH-Flugnummern. Andere Regionalgesellschaften stehen ebenfalls in den Diensten der großen deutschen Fluggesellschaft und bedienen ebenfalls Routen in deren Auftrag. Dies sichert ihnen die Präsenz im Computer-Reservierungssystem der Airline, die lebensnotwendig ist. Die DLT hat eine Flotte aus Fokker 50, ein Flugzeugtyp, der wie die ATR 42 oder auch die SF 340A durchaus mit dem Komfort an Bord eines Jets mithalten kann und auch nicht mehr in jedem Luftloch durchsackt. Dennoch wird die DLT von 1992 an ihre Flotte mit einem Jet der Fünfzig-Sitzer-Klasse anreichern. Die Canadair Regional Jets (RJ) lassen größere Entfernungen im Regionalverkehr auf eine Stunde Flugzeit schrumpfen.

In Berlin ansässig ist Tempelhof Airways, die mit Saab 340 Dortmund, Paderborn und Hamburg bedient. PanAm unterhält mit PanAm Express eine Tochter, die mit ATR 42 von Berlin aus Routen befliegt, die für Jets unrentabel sind.

Hoch im Norden ist in Kiel die Cimber Air zu Hause, die verschiedene Flughäfen in Deutschland im Flugnetz hat. Im Norden angesiedelt sind auch Gesellschaften wie Frisia, Friesland, Roland Air oder OLT, die den Verkehr mit den Inseln vor der deutschen Küste betreiben und jährlich immerhin 300 000 Passagiere im Seebäderverkehr befördern. Air Bremen verbindet die Hansestadt nicht nur mit Großstädten von London bis Wien, sondern auch Münster/Osnabrück mit Amsterdam. Hamburg Airlines fliegt von Hamburg aus Ziele in England und Benelux an.

Die Dortmunder RFG schafft für das östliche Ruhrgebiet die Anschlüsse zu den Metropolen. Der NFD in Nürnberg gehört zu den Großen unter den Regionalfluggesellschaften mit mehr als zehn Zielen im In- und Ausland. Die Stuttgarter Contactair, an der die DLT beteiligt ist, fliegt im Auftrag der LH acht Ziele an. Delta Air in Friedrichshafen startet Richtung Stuttgart, Frankfurt, Köln/Bonn und via Zürich auch nach Bremen. Als jüngste deutsche Regionalfluggesellschaft verbindet Interot Augsburg mit Düsseldorf und Hamburg.

Daß die Regionalfluggesellschaften ihr Geld nicht im Schlaf verdienen, belegt die kürzliche Pleite der Münchner Südavia, die sich unter die Fittiche der größeren DLT begeben wollte, wozu das Kartellamt jedoch sein Plazet verweigerte.

kjs