Ein Essay von Dieter E. Zimmer

Gehirn und Computer: oft ist hervorgehoben worden, was sie gemeinsam haben – und als Reaktion darauf, was sie trennt. Sind es Abgründe?

Auf die Gemeinsamkeiten gründet sich der produktivste Zweig der heutigen Psychologie, die Kognitionspsychologie, die untersucht, wie „Wissen“ in den Kopf kommt, wie es dort gespeichert, verwaltet, abgerufen wird – die Welt als Repräsentation im Zentralnervensystem, das Geistorgan als informationsverarbeitende Maschine. Und so, wie man das Gehirn als eine Art biologischen Computer sieht, sieht man den Computer gern als ein maschinelles Gehirn, ein „Elektronengehirn“ eben.

Zwar hat es nicht den Anschein, als käme die Kognitionspsychologie ins Stocken oder als ginge ihr in absehbarer Zukunft die Arbeit aus; aber ob sie das Gehirn restlos als eine Art von Computer erklären kann, steht einstweilen völlig dahin. Auffällig, geradezu verdächtig wenig interessiert sie sich bisher für subjektive Erlebnisqualitäten – für das Eigentümliche eines Schmerzgefühls etwa oder für Wahrnehmungsqualitäten wie „grün“ oder „heiß“.

Welche sind die offenkundigen Gemeinsamkeiten von Gehirn und Computer?

Beide gehen mit „Wissen“ um: erhalten von außen verschiedenerlei Nachrichten über Sachverhalte (über Gegenstände oder Vorgänge oder Beziehungen), das Gehirn mittels der Sinnesorgane, der Computer mittels Tastatur, Scanner, Mikrophon, und „verarbeiten“ diese „Information“: speichern sie, manipulieren sie, indem sie sie ordnen, nach bestimmten Regeln verändern, Schlüsse aus ihr ziehen, geben sie bearbeitet auf verschiedene Weise wieder heraus und können damit „Verhalten“ steuern (die Bewegungen einer schreibenden Hand, die Bewegungen eines Druckerkopfes).

Beide besitzen mit diesen Informationen ein inneres „Bild“, eine innere Repräsentation bestimmten Sachverhalte der äußeren Welt.