Streit um das

Daimler Benz-Signet

Essen

Die Essener Bürgermeisterin Rosemarie Heiming (CDU) hat „nichts gegen den Mercedes-Stern, er schmückt ja repräsentative Autos“. Sie selbst fährt eines davon als Dienstwagen. Daß ein überdimensionales Exemplar dieses Signets aber künftig auf dem Essener Gildehof-Center, einem dreizehngeschossigen Bürohaus am Hauptbahnhof, prangen soll, empfindet sie als Verunzierung. Daß es der ausrangierte Stern der Daimler-Benz-Verwaltungszentrale in Stuttgart ist, den Daimler-Chef Edzard Reuter dortselbst als „zu protzig“ bezeichnet haben soll, hält Frau Heiming für eine Unverschämtheit: „Was in Stuttgart vom feinsinnigen Mercedes-Generaldirektor als zu protzig angesehen wird, kann ich für Essen nicht als geschmackvoll einstufen.“

Das Corpus delicti hat einen Durchmesser von acht Metern (Frau Heiming: „So hoch wie unser Hius!“) und dreht sich im Stuttgarter Vorort Möhringen genau 78mal in der Stunde. Schon an diesem Ort hat der sonst so wohlgelittene Stern Unmut hervorgerufen. So beschwerten sich Autofahrer, daß das Wahrzeichen nachts zu hell strahle. Nun soll der Stuttgarter Kunstprofessor Kurt Weidemann einen kleineren Stern von nur 6,50 Meter Durchmesser entwerfen. Nicht mehr aus einer ordinären Neonröhre werde er geformt sein, sagt Mercedes-Pressesprecher Detlef May; vielmehr solle er „tagsüber den Sternen an den Autos ähnlicher sein, also metallisch glänzen“. Nichts werde er irgendwie dezent „von innen“ leichten. Auf jeden Fall solle der neue Stern als „Symbol modernster Technik“ die „Zentrale für technisches Know-how“ markieren.

Der alte Stern wird nicht verschrottet, sondern soll eben in Essen weiterstrahlen. Der diesbezüglich: Antrag einer Werbefirma – von Daimler-Benz initiiert – wurde von der Stadt Essen schon vor längerer Zeit genehmigt, was indes erst jetzt bekannt wurde. Bürgermeisterin Heiming, die davon in der vorigen Woche aus der Zeitung erfuhr, ist wütend: „Man gibt’s nicht der Caritas, sondern den armen Verwandten.“ Im übrigen fragt sich die konservative Kommunalpolitikerin, was Essen mit Mercedes zu tun hat: „Verlegt Herr Reuter auch die Daimler-Zentrale nach Essen, oder dürfen die Essener Bürger sich nur an dem protzigen Stern erfreuen?“ Denn neue Arbeitsplätze habe Essen ja nötig. Schließlich, meint Frau Heiming, hätte eine „für das Stadtbild so einschneidende Genehmigung“ der Beratung der politischen Gremien bedurft – nach den Richtlinien einer „Gestaltungssatzung“, wie sie viele Städte bereits hätten und wie sie ihre Partei, die in Essen oppositionelle CDU, schon lange fordere.

Die Genehmigung, versichert indes der zuständige Bauordnungsamtsleiter Rolf Guntermann, sei ordnungsgemäß zustande gekommen. Laut Bauordnung könne eine Leuchtwerbung nur abgelehnt werden, wenn sie eine „Verunstaltung“ darstelle. Guntermann: „Das heißt, wenn der sogenannte Durchschnittsbeschauer Unlust empfindet.“ Und das hält der Amtsleiter – Frau Heimings Geschmack in Ehren – bei einem so noblen Signet wie dem aus Stuttgart praktisch für ausgeschlossen.