Von Iris Radisch

Er wollte immer nur mein bestes. Viereck auf Teakholzfüßen. Am Anfang liebte das Kind den Kasten, und der Kasten spielte für das Kind. Er spielte Sandmännchen Ost und Sandmännchen West. Das eine kam auf einer Wolke, das andere zu Fuß. Der Osten war hinter der Mauer, durch die man zu Fuß nicht gehen konnte. Aber das Westsandmännchen konnte fliegen. Deshalb liebte das Kind das Westsandmännchen mehr als das Ostsandmännchen.

Das war in den sechziger Jahren, als die Frauen Kopftücher und die Männer Hüte trugen. Draußen auf der Straße, aber nicht drinnen im Kasten. Im Kasten flogen die Haare der Frauen im Wind, wenn sie sich das Gesicht mit Creme eincremten, fast nackt auf einer Wiese standen, in der Hand eine Seife hielten. Kasten und Nicht-Kasten waren nicht zu verwechseln. Das Kind liebte den Kasten.

Von Anfang an gehörten sie zusammen. Er konnte sprechen, das Kind noch nicht. Also lernte das Kind von seinem Freund die Worte. Zuerst die mit Musik. Das Kind grölt aus vollem Hals, was es gelernt hat, und springt auf dem Sessel. Das war das erste Glück.

Und die bezaubernden Menschen! Jeanny in der Flasche, Major Tom bei der Nasa, die Kinder vom Immenhof, die verheiratete Hexe, Heidi und der Almöhi. Nie müssen die auf die Toilette, und immerzu passiert etwas. Jeden Abend wartet das Kind auf eine Fortsetzung: Montag Verliebt in eine Hexe, Dienstag Percy Stuart, Mittwoch Bezaubernde Jeanny. Das Glück kommt in Raten.

Das Kind muß sich die Geschichten merken. Nur die Werbung bleibt immer gleich. Zarte Pflege für weiche Haut, wer wird denn gleich in die Luft gehen, nie war er so wertvoll wie heute. Das Kind kann alles auswendig. Stolz rattert es die Worte schon ein bißchen schneller als sein Freund.

Oder die Liebe! Alle lieben sich im Kasten, das Kind liebt nach. Die erste und die zweite Liebe war ein Mann im Kasten. Beide Privatdetektiv. Der Kasten ist ein Wunder. Das Kind schickt einen Brief an den Mann im Kasten nach Amerika und bekommt keine Antwort.