An der Aktienbörse wird nicht geklingelt Niemand kann exakt das Ende einer Baisse voraussagen, und keiner weiß genau, wie lange ein Kursanstieg dauern wird Einen „Stein des Weisen“ kann es auch schon aus einem ganz einfachen Grund nicht geben Wenn jeder Spekulant sicher weiß, wie der Kurs eines Papiers morgen oder in einem Jahr stehen wird, kann er sein Handeln entsprechend einrichten Und weil alle Spekulanten sich dann genauso verhalten, schwinden die erhofften Gewinne Wurde heute ermittelt, daß der Daimler-Kurs zum Jahresende exakt bei 1200 Mark steht, dann wurden alle Anleger sofort das Daimler-Papier kaufen wollen Weil aber keiner der bisherigen Besitzer unter dem errechneten Kurs von 1200 Mark sein Papier abgibt, wurde der Wert exakt auf 1200 Mark steigen Verdient hatten also nur die bisherigen Besitzer Alle Neueinsteiger gingen leer aus Gleiches wurde ebensogut auch in umgekehrter Richtung funktionieren. Wenn Kursverluste bei einem Papier absolut sicher waren, wurde sich niemand mehr zu einem höheren Kurs engagieren, und allein schon dieser Druck wurde den Kurs auf das prophezeite Niveau fallen lassen

Selbst wenn der zunehmende Einsatz von Computern dazu fuhrt, daß die Programme immer häufiger vergleichbare Borsenanalysen liefern – der Börsenkrach 1987 wurde erst durch die massiven Verkaufssignale der Elektronenrechner zum Desaster –, gilt heute immer noch weitgehend Das Borsengeschaft wird beherrscht von unterschiedlichen Meinungen, die sich wiederum in Angebot und Nachfrage niederschlagen Freilich wünscht sich jeder Anleger möglichst stichhaltige Indizien für den künftigen Kursverlauf Zwei kontrare Methoden der Kursanalyse stehen sich dabei gegenüber Erstens die Fundamentalanalyse, in der unter anderem die Gewinnentwicklung einer Aktiengesellschaft, die Unternehmensdaten und die künftigen Aussichten untersucht werden Zweitens die Chartanaylse, die nach standardisierten Regeln aus dem bisherigen Kursverlauf der Aktie Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zieht Beide Methoden haben eine große Zahl von Anhängern Fehlschlage – die mit beiden Methoden vorkommen – werden meist als Zufalle oder Fehlanalysen abgetan

Die Fundamentalanalyse basiert auf den bisherigen Unternehmensdaten Untersucht wird unter anderem die Dividende und die daraus resultierende Dividendenrendite, der Gewinn pro Aktie und das daraus errechenbare Kurs-/Gewinnverhaltnis, weiterhin der Cash-flow und zahlreiche andere, meist auf aktuellen Bilanzdaten basierende Indikatoren. Ziel der Fundamentalanalyse ist es, den „inneren Wert“ einer Aktie zu ermitteln und festzustellen, ob ein Papier – insbesondere auch im Vergleich zu ähnlichen Titeln – „billig“ oder „teuer“ ist.

Vorteil der Fundamentalanalyse ist ihre Aussagekraft Erwirtschaftet ein Unternehmen von Jahr zu Jahr steigende Gewinne, gilt dies als positives Signal Auch der Vergleich des Kurs-/Gewinnverhältnisses mehrerer Papiere eines Landes und einer Branche zeigt dem Anleger, welches ein besonders gunstig angebotenes Papier ist Nachteilig hingegen ist das Alter der Zahlen Bilanzen werden meist erst Monate nach dem Abschluß eines Geschäftsjahres erstellt Auch Zwischenbilanzen und Quartalsveroffentlichungen beruhen meist auf veraltetem Zahlenmaterial Nicht selten liegen auch Experten mit ihren Zukunftsschatzungen – etwa im Hinblick auf die Gewinnentwicklung – eines Unternehmens deutlich daneben Auch lassen sich Bilanzen innerhalb rechtlicher Möglichkeiten sehr wohl nach der einen oder anderen Richtung „trimmen“ Das größte Manko der Fundamentalanalyse ist mithin das Informationsdefizit, dem der Anleger letztlich ausgesetzt ist

Genau an dieser Stelle setzt die Chartanalyse an Grundgedanke dieser Methode ist, daß bestimmte Unternehmensentwicklungen – etwa ein deutlich steigender Gewinn – bereits längst in den auf geringste Signale reagierenden Borsenkursen enthalten (eskomptiert) sind und daher ein Betrachten des bisherigen Kursverlaufs allein ausreicht, um die künftige Entwicklung vorherzusagen Dazu werden unterschiedliche „charttechnische“ Methoden herangezogen Gern gearbeitet wird mit den gleitenden Durchschnitten Dabei wird die Kurskurve mit einer gleitenden Durchschnittslinie für 38 (kurzfristiger Trend), 100 (mittelfristiger Trend) oder 200 Tage (langfristiger Trend) unterlegt Wenn der aktuelle Kurs den gleitenden Durchschnitt nach oben durchbricht, gilt dies als Kaufsignal – ein Kurs oberhalb der Durchschnittslinie gilt als positives Indiz Durchbricht er sie indes nach unten, raten Charttechniker zum Verkauf des Papiers.

Gerne werden Kurscharts auch nach bestimmten Regeln analysiert Die Anhänger der Chartanalyse versuchen dann, den bisherigen Kursverlauf in ein Standardmuster zu „zwangen“ Dies kann zum Beispiel eine V- oder eine W-Formation sein, also ein Kursverlauf entsprechend dieser Buchstaben, der nach den Regeln der Chartanalyse als Kaufsignal gilt Andererseits spricht eine „umgekehrte V-Formation“ oder eine M-Formation für fallende Kurse. Daneben gibt es „Flaggen“, „Keile“, „Wimpel“ und vieles mehr Auch die Entwicklung der Borsenumsatze wird oftmals – soweit verfugbar – mit einbezogen

Als am aussagekraftigsten gelten bei der Chartanalyse die Trendlinien Durch Verbinden der Tiefst- oder der Höchstwerte einer Kurskurve wird der aktuelle Trend ermittelt, der Indizien für die künftige Entwicklung geben soll – getreu dem Motto „the trend is your friend“ Oftmals laufen die untere und obere Trendlinie sogar parallel, so daß man von einem Trendkanal sprechen kann Vom Ausbrechen aus dem Kanal erwarten Charttechniker eine Überreaktion in die Ausbruchsrichtung