Von Udo Perina

Ausländer sind derzeit wenig bereit, ihr Geld in den Vereinigten Staaten anzulegen. Hohe Zinsen gibt es anderswo – und aus den Aktien ist vorläufig die Luft raus. Das drückt auch auf den Dollarkurs, der zu Wochenbeginn unter 1,60 Mark fiel und sich dem historischen Tief vom 31. Dezember 1987 (1,5815 Mark) näherte. Nach dem Ergebnis der ZEIT/Südprojekt-Prognose dürfte sich der Dollar allerdings auf rund 1,60 Mark stabilisieren.

Das mächtige Amerika wird freilich zum Sorgenkind der internationalen Finanzwelt. Die Wachstumsraten tendieren gegen Null, die Verschuldung hat beängstigende Formen angenommen, und der Notenbank scheinen die Hände gebunden. Angesichts der lahmenden Konjunktur müßte sie die Zinsen senken. Doch das würde die ausländischen Finanziers vertreiben und den Dollar gegenüber den Hartwährungen noch mehr schwächen.

Die wirtschaftliche Misere macht sich jetzt auch an der Wall Street bemerkbar. Vor zwei Wochen sind alle Versuche, den Dow-Jones-Aktienindex über die Marke von 3000 zu hieven, kläglich gescheitert. Statt dessen gab es ein Sommergewitter mit Kursverlusten von über drei Prozent in wenigen Stunden. Der Sprung über die 3000 dürfte dem „Dow“ auch in den nächsten Monaten nicht gelingen. Die ZEIT/Südprojekt-Prognose sieht ihn Ende Januar auf rund 2850 Punkten.

Bundesrepublik: Wer seine Ersparnisse auf lange Sicht rentabel anlegen möchte, braucht nichts zu überstürzen. Die Zinsen sollen auch in den nächsten Monaten hoch bleiben, vielleicht steigen sie sogar noch etwas an. Damit rechnen jedenfalls die meisten jener Bankhäuser, die sich an der ZEIT/Südprojekt-Prognose beteiligen.

Noch ist die Fachwelt für die deutsche Börse optimistisch. Zumindest traut sie ihr eine bessere Entwicklung zu als den Aktienmärkten in New York und Tokio. Die meisten Institute erwarten Kursgewinne im kommenden Halbjahr. Nach der ZEIT/Südprojekt-Prognose steigt der Deutsche Aktienindex (Dax) in den nächsten sechs Monaten auf rund 2120 Punkte. Dieser Wert ergibt sich aus dem gewichteten Durchschnitt aller Vorhersagen (siehe Kasten). Für die Aktionäre würde das einen Zugewinn von gut zehn Prozent bedeuten.

Unklar ist allerdings, wie die Börse reagiert, wenn es im Zuge der Vereinigung beider deutscher Staaten etwa zu sozialen Unruhen in der DDR, zu einem vorzeitigen Bruch der großen Koalition oder zu einem überraschenden Ausgang der Wahlen im Dezember kommt. Einige Experten raten zur Vorsicht: Falls die Kosten der deutschen Einheit hochschnellen, seien steigende Zinsen und fallende Aktienkurse durchaus möglich.