ZEIT: Herr Reuter, Ihnen wird als Sohn des Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter eine besondere Zuneigung für die ehemalige Reichshauptstadt nachgesagt.

Reuter: Berlin ist die Stadt, in die ich zusammen mit meinen Eltern aus der Emigration zurückgekehrt bin, in der ich die Blockade und den Freiheitskampf erlebt habe – Ereignisse, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und mein ganzes Leben geprägt haben. Das ist wichtiger als die Tatsache, daß ich auch dort geboren bin.

ZEIT: Unmittelbar nachdem Ihr Plan bekannt wurde, am Potsdamer Platz zu bauen, brach in Berlin ein Sturm der Entrüstung los. Hatten Sie damit gerechnet?

Reuter: Einesteils schon. Walter Momper hat von einer Jahrhundertchance gesprochen. Mir selbst war klar, daß das für Berlin eine wichtige Entscheidung ist, die hoffentlich Signalwirkung haben wird. Daß es eine Diskussion über den Standort am Potsdamer Platz und eine ideologische Debatte über den Charakter unseres Unternehmens geben würde, das hatte ich freilich nicht erwartet.

ZEIT: Wie erklären Sie sich, daß die Stadtplaner, Architekten und Stadthistoriker Ihr Projekt am Potsdamer Platz nahezu einhellig ablehnen?

Reuter: Ich würde mir wünschen, daß diejenigen, die ein Urteil haben und publizieren, sich zunächst mit den Fakten vertraut machten, zum Beispiel damit, daß wir überhaupt nichts präjudizieren, sondern daß erst einmal ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben wird. Dieser Wettbewerb muß natürlich politische Vorgaben bekommen, aber in deren Rahmen wird es Diskussionen geben. Wir haben immer erklärt: Wir wollen diese Diskussionen, und wir werden uns an das Ergebnis des Wettbewerbs halten.

ZEIT: Abgeordnete der Alternativen Liste wollen es nicht hinnehmen, daß eine Firma, die für den NS-Staat Waffen produziert hat, auf einem Grund baut, in dessen unmittelbarer Nähe Adolf Hitler, Roland Freisler, Heinrich Himmler und andere gewirkt haben. Wie beurteilen Sie ein solches Argumentieren mit der Geschichte?