Freudige Gelöstheit herrschte am vergangenen Samstag im Warschauer Politechnikum, wo die Bürgerbewegung – Demokratische Aktion – genannt Road – sich erstmals öffentlich traf: Endlich haben auch die Polen links von der Mitte eine politische Repräsentanz.

Lange haben die Führer von Road gezaudert, sich aus der nur noch fiktiven Einheit der Solidarnosc-Bewegung zu lösen. Sie bangten um die Stabilität des Übergangsstaates. Und sicher wäre ohne den Druck der Fraktion die Unterstützung für die Mazowiecki-Regierung noch schneller zerbröckelt. Sie fürchteten aber um ihren Einfluß, wenn sie sich gegenüber der von Lech Walesa geförderten nationalkonservativen Verständigung Zentrum als Linksliberale abgrenzen würden.

„Wir gehen nicht nach rechts, wir gehen nicht nach links, wir gehen nach vorn.“ Adam Michnik, gerade zum Berater der beiden (Arbeiter-) Repräsentanten der Organisation, Zbigniew Bujak und Wladyslaw Frasyniuk, gewählt, suchte das politisch-psychologische Handicap zu überspielen: Die Bewegung kann und will nicht „links“ sein, weil links unmittelbar mit Kommunismus assoziiert wird.

Aber was will Road? Im Gegensatz zum Zentrum befürwortet die Bewegung nicht Eingriffe von oben, sondern Demokratie von der Basis her. Die neue Road will darum keinen starken Präsidenten, sondern ein starkes Parlament und eine starke Regierung. Und während das Zentrum nicht auf nationalistische Töne verzichten mag, betont Road um so stärker die Notwendigkeit der Toleranz gegenüber Minderheiten und Andersgläubigen.

Welche Chancen diese Grundorientierung in Polen hat, wird sich schnell zeigen: Fast niemand mehr zweifelt an vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen noch im Herbst dieses Jahres.

H.H.