Wir werden uns niemals dem Terror der IRA beugen.“ So hatte der Tory-Abgeordnete Ian Gow in den vergangenen Wochen gleich mehrmals Anschläge der irischen Untergrundarmee kommentiert. Jetzt wurde der britische Hardliner selber zum Opfer, als ein tödlicher Sprengsatz unter seinem Wagen explodierte.

Der Nationalkonservative hatte sich als Vorsitzender des Nordirland-Ausschusses des Unterhauses all die Jahre gegen jegliche „Appeasement“-Tendenzen gestemmt. Das Abkommen von Hillsborough, in dem Großbritannien der Republik Irland 1985 erstmals ein gewisses Mitspracherecht in der nordirischen Bürgerkriegsprovinz einräumte, interpretierte er als Beginn des britischen Rückzugs und gab daraufhin sein Amt als Finanzstaatssekretär auf.

Die Untergrundarmee verfolgt mit der jüngsten Eskalation der Gewalt ein doppeltes Ziel. Sie wollte ihre ungebrochene Schlagkraft demonstrieren, indem sie immer wieder erfolgreich versuchte, das verhaßte britische Establishment im Zentrum der Macht zu treffen: Erst kam der Anschlag auf den Carlton-Club, in dem konservative Abgeordnete und Regierungsmitglieder aus- und eingehen, dann der auf die Börse, schließlich die Bombe in der Nähe des Nato-Gipfels, die London für Stunden lahmlegte, und jetzt die Ermordung Ian Gows, der der britischen Premierministerin so nahestand wie kaum ein anderer Politiker. Jede erfolgreiche Aktion dieser Art verschafft der IRA mehr internationale Publizität als Dutzende von Opfern ihrer Bomben und Gewehre in Nordirland.

Zugleich will die IRA den Haß dort aufs neue entfachen. So soll der derzeitige Versuch der britischen Regierung torpediert werden, Katholiken und Protestanten in Ulster nach Jahren der völligen Blockade wieder an den Verhandlungstisch zusammenzubringen.

J.K.