Von Elisabeth Kaiser

GO WEST! Bei der Lektüre längst vergangener Kindertage klang es mir wie ein Schlachtruf, wurde später oft erinnert und nie ganz vergessen.

Meinem Leben im Dunstkreis der quirligen Stadt Sydney war eine Grenze gesetzt. In wenigen Jahren sind die Mietpreise in astronomische Höhen gestiegen. Zwar ist Australien dreißigmal so groß wie Großbritannien, doch die Hälfte seiner Bevölkerung lebt in Sydney und Melbourne. Die Ballungsräume zeigen die auf aller Welt bekannten Symptome: Umweltverschmutzung, Kriminalität, Wohnungsnot. Das letzte Wort scheint dem Europäer absurd, wenn er auf der Karte die weithin unbesiedelten Gebiete des Kontinents betrachtet. Aber die Menschen zieht es dahin, wo Arbeit ist.

Die housing crisis hat neuerlich viele, die nicht auf feste Jobs angewiesen sind, zur Stadtflucht verführt. Das Leben auf dem Lande wurde plötzlich attraktiv. Alternative Gruppen haben sich gebildet. Das billige Landesinnere von Queensland ist zu neuen Ehren gekommen, und wer den großen Sprung wagt, zieht die viertausend Kilometer gen Westen, wo Land noch preiswert ist und die Menschen weniger streßgeplagt sind.

Ich lebe in Australien als Besucher. Den Status eines resident kann heute nur noch erwerben, wer eine halbe Million australische Dollar ins Land bringt. Auch gibt es andere Restriktionen: Ein Besucher darf kein Haus kaufen (was hier immer die wohlfeilste Lösung ist), doch kann er Land erwerben unter der Bedingung, daß er darauf baut.

Vor Jahresfrist hatte eine beschwingte Reise mit dem Sohn entlang der Westküste mit den flachen Weingärten, dem Indischen Ozean mit seinen Korallenriffen unseren Entschluß leichtgemacht: Im Westen sollte die künftige Wohnstatt sein. Die Freunde in Sydney zeigten sich entsetzt: „Was wollt ihr im Wilden Westen? Das ist ja so weit weg!“ (Die alte Antwort: Weit von wo? Immerhin vier Flugstunden näher an Europa.)