Von Robin Detje

„The revolution will not be televised!“

Public Enemy

Diese isolierte, entfremdete Kunst können wir nicht mehr gebrauchen“, sagten vor 21 Jahren Julian Beck und Judith Malina. „Die Institutionen haben uns konditioniert, Gemälde in Museen anzustarren. Wir dürfen nichts anfassen. Wir dürfen nicht schreien. Wir dürfen uns nicht ausdrücken. Wir dürfen uns vor den Gemälden nicht ausziehen. Wir dürfen uns nicht an ihnen reiben. Wir dürfen uns nicht an unserem Begleiter reiben.“

Also schrie das Living Theatre und zog sich aus. Die Schauspieler führten Yoga-Übungen vor, rieben sich an den Bühnenbrettern und zeigten dem Publikum in New York und Avignon die Zunge. Schließlich bat man die Zuschauer auf die Bühne und lud sie ein, selbst die lästigen, entfremdeten Kleider abzulegen. Historische Photos zeigen ungläubig erfreute College-Studenten in zaghaften Umklammerungen und orgiastische Haufen nackter Leiber. „Paradise Now“ hieß dieses Stück – eine trotzige Forderung.

Die Schauspieler des Living verbrachten viel Zeit in verschiedenen Gefängnissen und emigrierten schließlich nach Europa. Das war 1969, in heldenhafter Zeit: „Es ist unsere Aufgabe, andere auf Aktionen vorzubereiten, bis wir den Punkt erreicht haben, an dem die Revolution stattgefunden hat und wir diese Aktionsformen nicht mehr brauchen.“

Augsburg im Sommer 1990. Hat schon jemand die Ozonbelastung gemessen?