Pech für Siemens: Zum ersten Mal seit Bestehen des Euratom-Vertrages verhängt die EG-Kommission eine harte Sanktion gegen ein Unternehmen, weil es Nuklearbrennstoff der Kontrolle von Euratom entzogen hat. Betroffen ist Advanced Nuclear Fuels (ANF) in Lingen, eine Tochter der Siemens-Holding USA. Sie wird nun für vier Monate unter Verwaltung eines Euratom-Beamten gestellt. Noch peinlicher ist, daß der grobe Regelverstoß im Amtsblatt der EG veröffentlicht wird, was das Image von ANF nicht gerade verbessert.

Der Fall: Aus Lingen wurden am 8. Mai dieses Jahres 130 Kilogramm angereichertes Uran in angeblich leeren Containern ungesichert über Luxemburg in die Vereinigten Staaten transportiert. ANF spricht von einem Irrtum der Lagerarbeiter. Acht Tage später wurde die amerikanische Aufsichtsbehörde fündig und informierte ihre Kollegen von Euratom. Für die bedeutet der illegale Transport eine schwere Panne. Die Agentur hielt sich bislang zugute, den gesamten Brennstoffzyklus in der EG lückenlos zu kontrollieren. Nun ist eine Menge, die immerhin ein Viertel des Urangehalts einer Atombombe ausmacht, aus der Bundesrepublik exportiert worden, ohne daß ein Kontrolleur aufmerksam wurde. Zum ersten Mal hat Euratom versagt.

Deutschlands Schäfer fürchten Schlimmstes. Um eine Seuche, die in der Bundesrepublik schon als ausgerottet galt, nicht erneut ausbrechen zu lassen, ließ der badenwürttembergische Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser 1200 Schafe vor laufenden Kameras notschlachten. In dem Bestand hatten Virologen ein Tier ausfindig gemacht, das von der Krankheit Scrapie befallen war. Zwecks Seuchenbekämpfung hält zwar auch Ludwig Ensinger, der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, die Aktion für berechtigt. Gleichwohl sorgt er sich nun, daß Verbraucher aus Angst vor Infizierung kein Schaffleisch mehr kaufen.

Obwohl die Experten über Scrapie nicht viel wissen, vermuten sie, daß die Krankheit durch den selben Virus verursacht wird wie die Rinderseuche BSE, bekannt als Rinderwahnsinn. Trotzdem hält Wolfgang Mields vom Bundes gesundheitsamt überstürzte Verbraucherreaktionen für ganz unbegründet: „Man geht davon aus, daß keine Gefahr für den Menschen entsteht.“ Schließlich grassiere Scrapie weltweit, und trotzdem werde kein Mensch krank – ein Argument, das auch Thomas Schlier von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände gelten läßt.

Die spektakuläre Notschlachtungsaktion trifft die Schäfer in einer Lage, in der sie ohnehin mit dem Rücken zur Wand stehen. Auf den Markt drängen nämlich drei Millionen DDR-Schafe, die bisher zwecks Wollproduktion gehalten wurden. Folge: Die Preise rutschen in den Keller. Martin auf der Horst von einem der größten Schaffleisch-Vermarkter, der Julius Kind KG in Grevenbroich: „Wir kriegen täglich Angebote für zwei bis drei Mark pro Kilo Schlachtgewicht“ Der Westpreis liegt bisher bei sechs Mark.

Im Februar dieses Jahres hat der französische Mineralwasserkonzern Perrier blitzartig seine Edelmarkt vom Markt genommen, weil das Wasser Spuren von Benzol enthielt. Die spontane Aktion brachte dem Unternehmen hohes Ansehen. In der vergangenen Woche rief nun auch der bundesdeutsche Konzern Werner & Mertz seine aerosolhaltigen Ledersprays zurück – nach hoher Imageverlusten, einem Strafurteil des Bundesgerichtshofs und zehn Jahre zu spät.

Bereits 1980 litten die ersten Erdal- und Solitär-Käufer nach Gebrauci der Schuhpflege unter Atemiot und Erbrechen. Im Mai 1981 setzten sich die Geschäftsführer des Konzerns deshalb zusammen und berieten, was zu tun sei. Mehr als eine Verbraucherwarnung aber fiel ihnen nicht ein. Erst zwei Jahre später nahmen sie die gefährlichsten der Sprays vom Markt, und nach weiteren zwei Jahren änderten sie auch die Rezeptur für die übrigen. Bis dahin alllerdings erkrankten noch 38 Personen nach dem Spraygebrauch, zum Teil schwer. Wegen fahrlässiger Körperverletzung wurden denn auch vier der zögerlichen Manager im Juni dieses Jahres vom Bundesgerichtshof zu hohen Geldstrafen verurteilt, drei bekamen sogar Freiheitsstrafen bis zu eineinhalb Jahren.