Wir aufgeklärten Entdecker ferner Länder sind stolz auf die Souveränität, die wir während zahlreicher Reisen gewonnen haben. Und auf die hart erkämpfte Fähigkeit, die neue Umgebung nicht nur durch den verengten Blickwinkel des Allerweltstouristen zu sehen. Schließlich beziehen wir unsere dezidierte Meinung und abgewogene Einschätzung aus dem unmittelbaren Erleben und nicht vom immer wieder zitierten Taxifahrer.

Darum wundern wir uns sehr, wenn wir, wie jüngst, in Baedekers Moskau-Reiseführer über die öffentlichen Verkehrsmittel lesen: „Aus Sprachgründen und wegen der ständigen Überfüllung ist ausländischen Moskau-Reisenden die Benutzung von Bus und Straßenbahn nicht zu empfehlen.“

Woher, so fragen wir uns, soll der Reisende wissen, wie Glasnost und Perestrojka tatsächlich beim Mann auf der Straße ankommen, wenn er sich nicht den Bedingungen des real existierenden Alltags aussetzt?

So haben wir uns denn mutig in den Moskauer Busverkehr gewagt und den Tatsachen ins Auge gesehen. Und da wir meinen, daß sich schnellstens eine Arbeitsgemeinschaft zur Umgestaltung alltagsferner Reiseführer konstituieren sollte, geben wir schon jetzt unsere Erfahrungen zu Protokoll.

Also, lieber Reisender, die Busse in Moskau sind nicht nur zur Hauptverkehrszeit zwischen 6 Uhr morgens und 1 Uhr nachts prall gefüllt. Viele von ihnen tragen zwei verschiedene Liniennummern hinter der Windschutzscheibe – im Zweifelsfall ist keine der beiden richtig.

Steige am besten ein. Laß andere nur dann aussteigen, wenn sie stärker oder in der Überzahl sind. Höflichkeit führt oft zum Zurückbleiben an der Haltestelle. Beim Einsteigen und während der Fahrt gelten Drängeln, energisches Schubsen und Keilen mit den Ellenbogen als erlaubt. Empfehlenswert sind Sicherheitsschuhe und Schienbeinschützer.

Ältere Damen mit folkloristischem Kopftuch und der Figur der äußersten aller Matrjoschka-Puppen setzen im allgemeinen Gerangel gerne auch Netze voller Konservendosen zum Platzgewinn ein. Die ungeschützte Preisgabe der Kniekehlen sollte vermieden werden, wenngleich ein Umknicken oder Umfallen bereits bei lose gefülltem Bus praktisch unmöglich ist.