Von Gero von Randow

Wir sind jetzt wild entschlossen, uns durchzusetzen“, kündigt Brigitte Endres-Niggemeyer von der Fachhochschule Hannover an. Seit Jahren verficht die Bibliothekswissenschaftlerin die Idee eines Studienganges für technische Redakteure, für Leute also, die Gebrauchsanweisungen und technische Dokumentationen schreiben.

Das wird langsam Zeit, denn allzuhäufig lesen die glücklichen Käufer technischen Geräts Bedienungsanleitungen wie die folgende: „Bei Verwendung des Absaugrahmens für Staubsaugeranschluß (Schlucksaugeranschluß) muß die Ausblasöffnung am Gebläseflansch bei Modell 6170a mit dem mitgelieferten Deckel verschlossen werden.“ Um derartige Sprachunfälle zu vermeiden, gibt es in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten den Studiengang Technical Communications; mittlerweile sind dort auch Promotionen möglich.

Die Bundesrepublik liegt auf diesem Gebiet weit zurück: Technische Redakteure können bislang ausschließlich Seminare und Lehrgänge besuchen, die von privaten Organisationen angeboten werden. Deshalb verfolgt die Gesellschaft für Technische Kommunikation (tekom), ein 1978 gegründeter Interessenverband der technischen Redakteure, den Vereinszweck, ein neues Berufsbild zu schaffen. Einen Entwurf dafür hat die Gesellschaft im vergangenen Jahr dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft vorgelegt.

Keineswegs strapazieren Gebrauchshinweise nur die Nervenkraft der Kunden. Mißlungene technische Anleitungen verursachen Schäden und Kosten. Unzählige Arbeitsstunden in Reklamations- und Kundendienstabteilungen könnten eingespart werden, wenn die Anleitungen hilfreicher wären. Dabei haben Hersteller sogar seit dem 1. Januar 1990 eine gesetzliche „Instruktionspflicht“. Das Produzentenhaftungsgesetz faßt die Sorgfaltspflichten der Hersteller technischer Geräte zusammen und präzisiert sie. Wenn ein Unternehmen die Instruktionspflicht verletzt, drohen Schadensersatzansprüche selbst dann, wenn sich der Anwender „risikoblind“ verhält und zum Beispiel die folgende Gebrauchsanweisung für eine Heckenschere wörtlich befolgt: „Wenn Sie das Gerät vor sich herführen, also immer vorwärtsgehen, beobachten Sie stets das Kabel, das nach hinten weggeführt werden sollte.“

Sprichwörtlich ist leider auch die schlechte Qualität von Manuals für Hard- und Software in der Computertechnik. Oft erfahren Computernutzer – User – nur von einem Teil der Programmfunktionen – und der wird ihnen oft unverständlich oder ganz einfach falsch erläutert. Datenverarbeitung kann Kosten verursachen, die manche Unternehmen an den Rand des Ruins bringen. Dabei entpuppen sich Gebrauchsanweisungen nach der Dechiffrierung oft als Primitiv-Information, wie zum Beispiel im Falle eines Lochstreifengeräts: „Im Streifenlocher wird der Lochstreifen auf einen Spulenkörper aufgespult, der auf den Aufspulteller gesteckt wird.“

Wer Anleitungen zudem in einer fremden Sprache verfassen muß, kann zum unfreiwilligen Komiker werden, wie wir aus Instruktionen für den Gebrauch mancher japanischer Produkte wissen: „Zur Öffnung die Schenkeln greifen Sie zwei Schenkeln, dann nach vorn ruhig ziehen“, belehrt uns die Gebrauchsanweisung für ein Photostativ, und wer einen Farbmonitor anschließen will, wird zartfühlend ermahnt: „Nimmer diesen Monitor legen, wo der Schnur von Personen darauf Spazierengehen grausam behandelt wird.“