Zeit. Die internationalen Ölmärkte reagieren hektisch auf den Einmarsch des Irak nach Kuwait. Ein britischer Experte verglich die Situation mit der Krise von 1979, als der Schah stürzte und der Ölpreis bis zu vierzig Dollar pro Barrel stieg. Ist das auch jetzt möglich?

Stomberg: Die Situation von heute ist mit der von 1979 nicht vergleichbar. Damals hatte die Opec noch einen Anteil von fünfzig Prozent an der Weltölförderung, heute liegt ihr Anteil bei etwas mehr als einem Drittel. Außerdem halten die Industrieländer diesmal hohe Vorräte.

ZEIT: Die Pipelines durch die Türkei und durch Saudi Arabien sind geschlossen. Kann der Ausfall dieser Lieferungen verkraftet werden?

Stomberg: Sollten die Lieferungen aus Kuwait und Irak insgesamt ausfallen, so würden dadurch etwa 4,5 Millionen Barrels pro Tag nicht mehr zur Verfügung stehen. Auf den Weltölmarkt bezogen, ist das eine Größenordnung von etwa sieben Prozent. Dieser Ausfall könnte theoretisch durch Lieferungen aus anderen Ländern und durch eine Nutzung der Vorräte aufgefangen werden.

ZEIT: Welche Ölproduzenten haben Kapazitäten, die sie kurzfristig nutzen können und wollen, um das Angebot zu erhöhen?

Stomberg: Es gibt eine Reihe von Ländern, die noch freie Kapazitäten haben, wie zum Beispiel Venezuela, insbesondere aber auch Saudi Arabien. Ob die Länder am Golf ihre Produktion hochfahren, ist eine politische Spekulation.

ZEIT: Bei den gegenwärtigen Preisausschlägen ist viel Spekulation auf Krisengewinn im Spiel. Wer spekuliert da auf welche Weise?