Stolze acht Millionen Mark Kaution zahlte die Stuttgarter Südmilch AG, eine der größten Molkereien in der Bundesrepublik, um ihren Chef aus dem Gefängnis zu holen; eine Million legte sie noch drauf, damit er auch seinen Paß bekam und Dienstreisen ins Ausland machen konnte. Das war vor zwei Jahren, als Wolfgang Weber in Untersuchungshaft saß. Nun hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben.

Weber soll, zum Teil mit anderen und zugunsten Dritter, dem Finanzamt 5,3 Millionen Mark vorenthalten haben. Allein um Steuern zu sparen, behaupten die Staatsanwälte, seien Farmen in Paraguay gegründet worden, die „weit überhöhte“ Verluste ausgewiesen hätten.

Die Hauptverhandlung kann frühestens Ende des Jahres beginnen, und deshalb betrachtet der Aufsichtsrat den Vorfall noch als „Privatsache des Herrn Weber“. Bleibt abzuwarten, ob das noch gilt, wenn der Prozeß mit viel Publicity tatsächlich eröffnet ist.

Viel heiße Luft wurde im Streit zwischen der Deutschen Lufthansa und dem Bundeskartellamt zu Beginn dieser Woche produziert. Der Anlaß: Die Berliner Wettbewerbshüter hatten angekündigt, ihr Veto einzulegen, falls die mehrheitlich in Bundesbesitz befindliche Fluggesellschaft mit 26 Prozent bei der DDR-Staatslinie Interflug einsteigen sollte.

Ein solcher Zusammenschluß, argumentierte das Kartellamt, verstärke die ohnehin überragende Marktstellung der Lufthansa noch mehr. Auf dem Inlandsmarkt und im Flugverkehr mit dem europäischen Ausland hält die Kranich-Linie einen Anteil von deutlich mehr als fünfzig Prozent, wie die Berliner Wettbewerbshüter ermittelten. Erst mit weitem Abstand folgt British Airways mit gut zehn Prozent.

Außerdem argwöhnen die Kartellbeamten, daß Lufthansa über die Kooperation mit Interflug potentielle Konkurrenten daran hindern könnte, in den ostdeutschen Markt einzusteigen. Denn derzeit betreibt Interflug nicht nur eine Airline, sondern ist daneben Eigner der Flughäfen und zuständig für die Flugsicherung. Sie vergibt also auch in eigener Regie Start- und Landezeiten (Slots).

Zwar hat Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau mehrfach öffentlich erklärt, daß die Interflug entflochten werden muß und damit die Zuständigkeit für die Slot-Vergabe verliert – und nach der deutschen Vereinigung, die Interflug neben Lufthansa beinahe zwangsläufig zum Bundesunternehmen machen wird, läßt sich eine andere Organisation auch kaum vorstellen. Aber das alles hat die Berliner Kontrolleure nicht interessiert. Sie haben, reichlich wirklichkeitsfremd, nach dem Status quo entschieden.