Ozon-Belastung

Vor langer Zeit, als wir die Umwelt noch nicht wahrnahmen, weil sie nicht zerstört war, schickten die Eltern ihre Kinder zur Erholung in den Wald. Dort war die Luft wegen des höheren Ozongehaltes angeblich so gesund. Den Kindern hat die Sommerfrische im Wald gutgetan, gibt es doch dort durchaus nicht mehr von diesem geheimnisvollen dreiatomigen Sauerstoff als anderswo.

Heute fürchten wir die nachteiligen Einwirkungen des Ozons auf unsere Gesundheit. Die Umweltminister warnen und tun, was sie immer tun, wenn eine Umweltgefahr droht: Sie lassen Grenzwerte setzen. Für die Überschreitung des Ozonanteils in der Atemluft sind für uns als magischer Grenzwert 180 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt. Bei höheren Werten sollen die Leute in der Sommerhitze zu Hause bleiben und sich ruhig verhalten, denn bei körperlichen Anstrengungen, wie etwa Radfahren oder Joggen, muß der Mensch, weil er mehr Luft braucht, tiefer atmen.

Obwohl in Norddeutschland die sogenannte maximale Immissionskonzentration (MIK) für Ozon noch nicht erreicht wurde, klagen viele Menschen über tränende Augen und Kratzen im Hals. Das sind ziemlich typische Vergiftungszeichen des Photooxidans Ozon. Dabei liegt der Schwellenwert der subjektiven Wahrnehmung bei dem Siebenfachen dieses Wertes. Die Feststellung des Hamburger Lungenspezialisten Helgo Magnussen, daß Beschwerden bei wiederholter Ozonbelastung abnehmen können, ist da nicht tröstlich. Denn Ozon kann auch bei gesunden Menschen schon nach sehr kurzer Einwirkung zu einer Überempfindlichkeit der Luftwege führen. Nach der Erfahrung von Helgo Magnussen liegt dabei aber die Schwellenkonzentration deutlich höher als die von den Gesundheitsministern festgelegte MIK.

Also alles halb so schlimm? Hochtrainierte Radfahrer, die pro Minute 89 Liter Luft brauchen und durch Ozon in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt werden, sind die meisten von uns ja nicht. Eine lang anhaltende Ozonbelastung muß nicht auffallen, obwohl sie zu einer Verengung der Atemwege und einer erhöhten Empfindlichkeit der Schleimhäute führen kann. Auch die Veränderung der Lungenbläschen, der Alveolen, die Sauerstoff aufnehmen und an die roten Blutkörperchen abgeben, bemerken wir anfänglich nicht.

Das hängt mit dem Mechanismus der Ozonwirkung zusammen. Ozon zerfällt bei der Aufnahme rasch. Die Zerfallsprodukte schädigen die aus ungesättigten Fettsäuren bestehenden Wandschichten der Alveolen. Diese Entzündung führt schließlich zu Wasseransammlung in den Lungenbläschen. Helgo Magnussen hat nachweisen können, daß schon nach kurzfristiger Einatmung von Luft mit einem Ozonanteil von 500 Mikrogramm pro Kubikmeter biochemische Funktionen in der Lunge gestört sind.

Die Abwehr von Infekten wird durch Ozon auch in geringeren Konzentrationen (160 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft) beeinträchtigt. Bei Tieren wird durch Ozon allergisches Asthma ausgelöst, bei Menschen offensichtlich nicht, sonst müßte zum Beispiel die Zahl der Asthmatiker in Los Angeles, der Stadt mit der höchsten Ozonbelastung, größer sein.