Es handelte sich wieder um eine der schwarzen Listen, wie sie früher der Volksbund aus Frankfurt verschickt hatte. Durch einen Zufall erfuhr der Hamburger Barsortimenten Georg von Lingenbrink, daß er dort aufgeführt war, weil er Bücher aus DDR-Verlagen und aus KPD-nahen Verlagen vertreibe. Er erstattete Strafanzeige wegen Verleumdung. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, dem viele eine Zusammenarbeit mit Taubert zutrauten, leugnete strikt jede Verbindung, um die im Aufbau befindliche Psychologische Kampfführung der Bundeswehr nicht in ein schlechtes Licht zu rücken.

Nicht nur SPD-Pressechef Fritz Heine war erleichten, als am 24. März 1958 aus nachrichtendienstlichen Quellen die Mitteilung kam: „Dr. T. verhandelt z. Zt. mit der persischen Botschaft über seine Anstellung als KP-Abwehrexperte.“ Das vertragliche Honorar, das Max Huber, sein neuer Deckname, in Teheran seit Februar 1959 erhielt, betrug 3500 Mark im Monat – das Dreifache seines bisherigen Volksbund-Gehalts. Im Oktober 1963 beendete der Iran den Beratervertrag, angeblich auf sowjetische Intervention hin.

Anschlußaufträge kamen aus dem Libanon, Südafrika und Ägypten. In Kairo war Taubert als Rechtsanwalt zugelassen und schrieb Berichte für den BND über Nordafrika. In regelmäßigen Abständen kehrte Taubert in Bonn ein, um den Kontakt zu den Nachrichtendiensten nicht zu verlieren. Doch Anfang 1970 – in Bonn regierte nun die sozialliberale Koalition – spürte er, daß seine bisherigen Förderer ihren Einfluß verloren hatten.

Unterstützt wurde er von zwei alten Corpsbrüdern, Fritz Ries und Hanns-Martin Schleyer. Leibfuchs Ries brachte Taubert in der Rechtsabteilung seiner Pegulan-Werke AG in Frankenthal/Taunus unter. Und Schleyer sorgte für Gutachtenaufträge aus der Industrie.

In der Rechtsabteilung von Pegulan arbeitete Taubert keine Lieferverträge aus, sondern stand für die politischen Ambitionen von Konsul Ries zur Verfügung. Dessen Ziel war der Sturz der sozialliberalen Regierung in Bonn. 1972 wurde eine Bürgerinitiative „Aktion Kanzlertest“ gegründet, die Bundeskanzler Willy Brandt herabsetzen sollte. Hier arbeiteten noch einmal die Überlebenden des Hamburger Teams von 1950 zusammen, verstärkt um den Hamburger Wirtschaftssenator von 1950, Professor Karl Schiller, der sich inzwischen, nach seinem Rücktritt als Bundeswirtschaftsminister, mit der SPD überworfen hatte. Der Erfolg blieb aus.

Eberhard Taubert siedelte als Rentner 1972 wieder nach Köln über, schrieb kleinere Artikel und bot sich Forschern als Zeitzeuge an. Als er am 2. November 1976 in Köln starb, war er fast völlig in Vergessenheit geraten. Zu seiner Beerdigung erschienen drei Personen.

Auch Bonn erinnert sich nicht gern an Eberhard Taubert. In der großen „Geschichte der Bundesrepublik“ kommt sein Name ebensowenig vor wie in der Ausstellung des Bundesarchivs „40 Jahre Bundesrepublik“ oder anderen offiziösen Schriften. Denn in der staatlich geförderten Geschichtsbetrachtung der Bundesrepublik gibt es einen Grundsatz: Die Behandlung des Themas Nationalsozialismus hat mit dem Jahr 1945 zu enden, spätestens mit dem Entnazifizierungsstopp von 1950. Eine Kontinuitätslinie vom Reich zur Bundesrepublik ist hier unerwünscht.