Von Heinz Blüthmann

Der langersehnte Termin war auf Donnerstag nachmittag der vergangenen Woche fixiert. Zwischen Lufthansa und Interflug, der verzweifelt ums Überleben kämpfenden Airline der DDR, sollten Mietverträge besiegelt werden, die für zunächst 650 Techniker der Interflug die Rettung vor dem drohenden Absturz in die Arbeitslosigkeit bedeutet hätte. Doch die Füllfederhalter der Chefs blieben zugeschraubt, die Verträge ohne Unterschrift.

Gegen Mittag an diesem Tag nämlich hatte die Ostberliner Superholding Treuhandanstalt, Eigentümerin der Interflug wie fast aller übrigen Betriebe der DDR, bei Lufthansa angerufen und den Termin platzen lassen. Die Unterschrift müsse um einige Tage verschoben werden, hieß es. Die fadenscheinige Begründung: Der Gesamtvorstand der Treuhand habe noch nicht zugestimmt.

Heinz Ruhnau, Chef der zu 51 Prozent dem Bund gehörenden Lufthansa, sah eine rote Lampe angehen und wollte die Störung sofort persönlich mit „meinem Freund Detlev“ beseitigen. Doch Detlev Rohwedder, erst Verwaltungsratschef und seit dem schnellen Abgang von Reiner Gohlke zu Beginn vergangener Woche Präsident der Treuhandanstalt, ließ dem Duz-Freund ausrichten, daß er im Moment nicht für ihn zu sprechen sei. Ein Ruhnau-Mitarbeiter: „Und seitdem sind nun alle roten Lampen an.“

Das take-off für die Lufthansa-Pläne ist ohnehin schon gewaltig verspätet. Ein dreiviertel Jahr, in dem Ruhnau und seine Crew auf verschiedene Weise versuchten, Interflug in den Schlepp zu nehmen, ist womöglich vertan. Rohwedders Verhalten, so fürchten die Lufthanseaten, lasse nur einen Schluß zu: Der Treuhand-Chef will die Interflug an andere Interessenten verkaufen.

In diesem Punkt bestand zwischen Rohwedder und seinem von ihm selbst geschaßten Vorgänger Gohlke offenbar kein Dissens. Beide sollen Interflug in die Kategorie „Nicht überlebensfähig“ eingestuft und die Parole ausgegeben haben: Ausschlachten, die kriegen wir nicht wieder hin.

Das Wertvollste, was Interflug zu bieten hat, sind Flugrechte auf Routen vor allem in den früheren Ostblock, aber auch im innerdeutschen Verkehr. Ein Erwerber wie British Airways beispielsweise, die Nummer eins in Europa und schon seit Wochen im Gespräch mit der Treuhand, könnte sie sehr gut gebrauchen. Die Briten, von Margaret Thatcher privatisiert und seither zur profitabelsten Airline in Europa aufgestiegen, wollen nämlich auf keinen Fall am kommenden Boom im neuen Mitteleuropa vorbeifliegen und schon gar nicht Lufthansa den Vortritt lassen.