Aus dem Leben des Großmuftis: Werber für die Waffen-SS, Kriegstreiber gegen Israel, Note an Bonn

Von Klaus von Münchhausen

Wegen ihrer Abstammung vom Propheten zählen die Husseini zu den vornehmsten Familien Arabiens. Im türkischen Kaiserreich stellten sie die politische Elite in Palästina: als Delegierte im Ottomanischen Parlament, als Distriktgouverneure, Bürgermeister oder Inhaber religiöser Ämter.

Amin besuchte als Kind die örtliche Muslimische Elementarschule (Kuttub), die arabische Geschichte, Literatur, Sprache und Theologie unterrichtete; später lernte er an einer öffentlichen Schule Türkisch und Französisch. Amin fiel durch sein ungewöhnliches Außeres auf: rotliches Haar, blaue Augen und eine feine Haut, dabei von kleinem Wuchs. 1912 schickte man ihn zusammen mit seinem Vetter Ya’kub nach Kairo auf die Al-Ashar-Universität, das über tausend Jahre alte Zentrum für arabische und islamische Studien. Er hörte auch bei Rashid Rida. einem radikalen Verkunder des großarabischen Nationalismus.

Im Sommer 1913 trat Amin mit seiner Mutter die Pilgerreise nach Mekka an, den Hadsch; seither trägt er den Ehrentitel „Al Hajj“. Danach begab er sich an die Militärakademie in Istanbul. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als türkischer Artillerieoffizier der 46. Division am Schwarzen Meer.

Nach Kriegsende tauchte Amin in Damaskus auf, wo sich das Zentrum des Panarabismus entwickelte. Er agitierte – entgegen der eher judenfreundlichen Politik des Haschemiten-Königs Feisal – heftig gegen die zionistische Siedlungspolitik im britischen Mandatsgebiet Palästina. Als die wahabitischen Saudis im Machtkampf der Familien um das Kalifat und den Einfluß auf der Arabischen Halbinsel über die Haschemiten die Oberhand gewannen, ging Amin zu ihnen uber, da sie gegen die Zionisten außerordentlich feindselig waren.

Im April 1920 hielt Hadsch Amin el Husseini in Jerusalem eine flammende Rede an die arabische Bevölkerung vom Balkon des Hauses der Nadi el Arabi, einer patriotischen Organisation. Ein Aufruhr entstand, etliche Juden wurden ermordet. Hadsch Amin tauchte unter; ein britisches Militärgericht verurteilte ihn in Abwesenheit zu fünfzehn Jahren Gefängnis. Wenige Monate später wurde er vom britischen Hohen Kommissar begnadigt. Seine Karriere begann.