Von Ruprecht Eser

MAINZ. – Am Anfang war das Bild, ein einziges, und das war schwarzweiß: Auf einer Kreuzung in Kuwait City stand ein irakischer Soldat. Es war der 2. August, der Tag des irakischen Einmarsches in Kuwait; das Agenturphoto war das einzige Dokument des Überfalls. Irakische Truppen hatten verhindert, daß Fernsehbilder um die Welt gingen.

Doch dann gab es die anderen Bilder und Töne, als die Fernsehteams noch vor den US-Truppen am Golf aufmarschierten. Aber auch diese Bilder kamen zunächst nicht aus dem abgeschnittenen Kuwait. An vorderster Front stand Iraks Botschafter in Paris, Abdul Rassak al Haschimi, der an einem Tag das britische und amerikanische, am nächsten das französische und deutsche Fernsehen „bediente“. Im Originalton klang das im heute-journal, als der Botschafter nach den ausländischen Geiseln gefragt wurde, so: „Glauben Sie mir, Sie sind Gaste: Denn wenn Sie Geiseln halten, dann wollen Sie damit erpressen. Und das ist hier nicht die Situation im Irak.“

Dann steigerten sich die Propaganda- und Drohbotschaften aus der irakischen Hauptstadt, und sie wurden rund um die Welt verbreitet: Der Informationsminister kündigt an, daß im Kriegsfall abgeschossene US-Piloten von aufgebrachten Irakern aufgefressen würden. Ein herrischer Saddam Hussein winkt den kleinen Englander Stewart zu sich heran und streichelt dem angststarren Kind über den Kopf. Deutsche Geiseln werden im irakischen Fernsehen vorgeführt als „Nachrichten von Gasten“.

Saddam Hussein hat erkannt, wie man das Medium nutzen und die Welt in Atem halten kann: Der Fernsehsender CBS schickt seinen „Anchorman“ Dan Rather nach Nahost, und der berichtet mal aus Kairo, mal aus Amman, dann vom Flugzeugträger Eisenhower und schließlich aus Bagdad. Vor ihm war ABC Moderator Ted Koppel dort.

Ganz vorn im Kampf um Einschaltquoten marschiert der Nachrichtenkanal CNN, der die Botschaften aus Bagdad blitzschnell um den Globus jagt. Häufig übernimmt CNN die Mediensignale Saddam Husseins live, ist von Bagdad vorab informiert. George Bush und seine Mitarbeiter verfolgen das Ganze am Fernsehschirm. So wird das Fernsehen zum elektronischen Botschafter, die Mattscheibe zur politischen Drehscheibe.

Das sieht bei CNN an einem Tag zum Beispiel so aus: Morgens um 8.30 Uhr wird eine Rede des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak übertragen. Um 9.00 Uhr wird nach Washington zu einer Rede von George Bush geschaltet. Um 10.30 Uhr wird eine Rede Saddam Husseins aus dem irakischen TV abgenommen, um 14.00 Uhr aus Amman eine Pressekonferenz mit King Hussein angeboten. Instant-Fernsehen ist das, bei dem die politischen Gegner sich via Satellit beäugen, aufeinander reagieren, einander beeinflussen können. Die Nachrichtensendungen in Amerika überflügeln die Unterhaltungssendungen in den Einschaltquoten. Auch in Deutschland registrieren ZDF und ARD ein gesteigertes Zuschauerinteresse.