Kaum konnten sich die westdeutschen Großverlage auf die Eroberung eines neuen Marktes freuen, da verhagelt ihnen auch schon die Konkurrenz das lukrative Geschäft mit den bunten Blattern So bricht denn in der DDR gleich zu Anfang aus, was die Konzerne in der Bundesrepublik erst dann inszenierten, als die Zeitschriftenmarkte längst gesattigt waren ein heftiger Preiskrieg

Von der kommenden Woche an werden in der DDR die beiden Programmzeitschriften vom Hamburger Bauer Verlag, auf einen Blick und Fernsehwoche, von 1,40 Mark beziehungsweise 1,50 Mark auf eine Mark verbilligt Damit reagiert Bauer auf eine Preissenkung der DDR-eigenen Programmzeitschrift FF dabei von 1,40 auf 1,20 Mark Auch das eigens für die DDR konzipierte Programmheft Super TV verbilligt sich um zwanzig Pfennig auf 1,40 Mark Hinter beiden Blattern freilich stehen nicht etwa ums Uberleben ringende DDR-Verlage, sondern potente westdeutsche Großen Der Berliner Verlag, bei dem FF dabei erscheint, soll demnächst gemeinsam vom englischen Verlagshaus Maxwell und dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr übernommen werden. Und Super TV ist ein gemeinsames Objekt der süddeutschen Verlage Burda und Gong. Die Preissenkungen betrachtet der Bauer Verlag als einen ernst zu nehmenden Angriff auf seinen Marktanteil Bauer-Geschaftsfuhrer Gerd Bolls: „Das konnten wir uns nicht bieten lassen “ So bleibt dem Springer Verlag, mit Bildwoche und FunkUhr ebenfalls am DDR-Markt, „nichts anderes übrig“, als bei dieser „bedauerlichen Entwicklung“ mitzuhalten, wie Vorstandsmitglied Hans-Peter Scherrer sagt Gespannt darf man nun auf den 3 Oktober blicken Auf dem dann gesamtdeutschen Gebiet wurde es einen gespaltenen Markt geben – es sei denn, der Preiskrieg greift vorher auf das Bundesgebiet über

Seit Monaten verkündet Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau: „Sobald Berlin frei wird, werden wir nach Berlin fliegen “ Und wenn in der kommenden Woche die Zweiplus-vier-Verhandlungen in Moskau erfolgreich sind und die Deutschen zum 3 Oktober die volle Souveränität erhalten, konnte es rein rechtlich auch sofort losgehen Denn dann entfallen die Sonderrechte der Alliierten im Berlin-Flugverkehr Woher Ruhnau, der am liebsten von Berlin aus gleich in alle Welt fliegen will, dafür die nötigen Maschinen und das Personal nehmen will, verschwieg er allerdings stets „Wir werden unseren Konkurrenten heute nicht mitteilen, welche Plane wir in der Schublade haben “

Nun ist es heraus: PanAm hilft Lufthansa mit neun Flugzeugen samt Piloten bis zum Sommer kommenden Jahres aus Zugleich verkauft die US-Airline, die seit Jahren von einer Finanzkrise in die andere schlittert, Start- und Landezeiten auf dem überfüllten Westberliner Flughafen Tegel an Lufthansa Den Deutschen fallt es damit leichter, in Berlin Flagge zu zeigen

Daß es der gelernte Bergmann Fritz Ziegler erst zum Regierungspräsidenten im westfälischen Arnsberg und danach zum Arbeitsdirektor der Ruhrkohle gebracht hat, ist nicht ungewöhnlich Eine solche Laufbahn steht einem Sozialdemokraten und Gewerkschafter immer offen, zumal dann, wenn er sich auf dem zweiten Bildungsweg volks- und betriebswirtschaftliches Wissen angeeignet hat

Aber seit dem 29 August sitzt der jetzt 57 Jahre alte Ziegler auf einem Stuhl, den einer wie er normalerweise nicht erklimmt Er ist Vorstandsmitglied der Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW) in Dortmund, und dies nicht als Arbeitsdirektor, sondern zustandig für die Geschäftsbereiche Gastechnik, Bautechnik und Entsorgungswirtschaft

Das soll allerdings nur der Anfang sein Heute schon wird Ziegler als Nachfolger des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Klaus Knizia gehandelt, der Mitte 1992 das Rentenalter erreicht Damit wäre dann bewiesen, daß ein aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangener Sozialdemokrat auch Aufgaben gewachsen ist, deren Bewältigung man gemeinhin nur Managern anderer Couleur zutraut