Witziges für Leseanfänger

Viveca Sundvalls siebenjährige Mimi erlebt nichts, was nicht auch Susi aus der ersten Klasse in Hamburg erleben könnte. Und trotzdem ist etwas besonderes an allem, was Mimi widerfährt. Sie schreibt es auf: in ein Tagebuch. Alles, was an einem ganz normalen Schulalltag passiert, wird damit zu einer richtigen Geschichte.

Einmal bekommen Mimi und ihre Freundin mitten im Unterricht die Lachkrankheit. Sie kann erst geheilt werden, als Mimi der Trick einfällt, an ein gestorbenes Kaninchen zu denken. Auch das Tagebuch selber erlebt Geschichten: An Ostern nimmt Mimi es heimlich mit in die Küche, damit es erlebt, wie Eier riechen, wenn das Wasser schon verkocht ist und die Herdplatte unterm Topf noch glüht.

Am spannendsten ist die Geschichte mit dem Hausmeister der Schule: Ein buckliger, miesepetriger alter Kauz ist das, der immer hinter einer grauen Eisentür verschwindet. Manchmal hat er Farbkleckse im Gesicht. Und nachts träumt Mimi sogar von ihm. „Der Hausmeister ist gefährlich und schrecklich und böse und stark und streng, und wenn er jemanden nicht mag, bindet er ihn im Keller fest.“ Das jedenfalls behauptet Roberta aus der zweiten Klasse.

Trotzdem muß Mimi ihn immer wieder anschauen, und er starrt zurück und brüllt: „Was machst du da?“, und Mimi sagt ihm endlich die Wahrheit: „Du hast eine hübsche Nase“, und dann läuft sie ohne sich umzudrehen so schnell sie kann in ihre Klasse. An einem Tag, an dem gar keine Schule ist, passiert etwas hinter der grauen Tür zwischen Mimi und dem Hausmeister. Etwas so Unwahrscheinliches, als würden eine junge freche Möwe und ein altes Zebra plötzlich Freunde werden.

Zwischen all den witzigen Episoden habe ich mich natürlich gefragt, ob das denn wirklich das Tagebuch der kleinen Mimi sein kann, wenn doch auf 117 Seiten kein einziger Rechtschreibfehler im Text zu finden ist. Bei einigen Passagen im Text würde ich Mimi übrigens um etliche Jahre älter einschätzen, als sie laut Tagebuch sein dürfte.

Aber das ist Kindern in Mimis Alter wohl ziemlich egal. Dafür aber wird ihnen nach dem Lesen klar, daß sie selber auch spannende Geschichten erleben. Höchste Zeit, daß die Leser selber Tagebuchschreiber werden. Daniel Grolle