Im Gebirge schadet die Sucht nach Komfort der Natur. Weil die Bergwanderer ihre Spuren hinterlassen, überlegt der Alpenverein, den Hang zum Luxus zu bremsen.

Der Bergsteiger wird zusehends zum Problem für die Umwelt. Allzu lange wurde mit der über hundert Jahre alten alpinen Hüttenkultur zu sorglos umgegangen: Öl versickerte, Müll wurde notdürftig verscharrt; aus Berghütten wurden zusehends Fast-food-Stuben und aus Matratzenlagern Zweibettzimmer mit Dusche.

Der Deutsche und der österreichische Alpenverein, traditionell im Gleichschritt, propagieren nun den Komfortverzicht. Die Zukunft könnte wieder der bescheidenen Unterkunft mit Kaltwasser und Trockenklo sowie der einfachen Speisekarte gehören. Die Anhalter Hütte bei Imst gibt ein Beispiel für umweltbewußtere Bewirtschaftung.

Die auf 2040 Meter gelegene Hütte gehört, wie 140 der 170 Alpinhütten in Tirol, dem Deutschen Alpenverein. Kein befahrbarer Weg führt hinauf, keine Materialseilbahn erleichtert die Versorgung. Nur dreimal pro Saison versorgt ein Hubschrauber die Hütte. Alles andere muß im über einstündigen Fußmarsch vom Hahntennjoch hochgetragen werden.

Der junge Stefan Weitlaner, drei Sommermonate mit Familie Hüttenwirt, im Winter Chefkoch am Arlberg, hat jede Menge typischer Altlasten, wie Sperrmüll und verscharrte Öltonnen, mit der Hütte übernommen. Das überdimensionierte Dieselaggregat soll durch eine Solaranlage weitgehend ersetzt werden. Portionspackungen beim Frühstück gehören der Vergangenheit an, auch sonst greift Weitlaner auf Produkte mit wenig Verpackung zurück. Die Speisenauswahl beschränkt sich auf weniges. Schließlich brauchen auch Gefriertruhen viel Energie. Der trotz allem anfallende Müll wird sofort getrennt. Wo es möglich ist, landen Reste im Ofen oder werden an Füchse und Dohlen verfüttert. Was dann noch bleibt, muß abtransportiert werden. Der Wanderer findet bei der Anhalter Hütte keinen Abfalleimer. Er muß seinen Müll wieder ins Tal befördern. Wer die volle Dose auf den Berg zu schleppen vermag, kann die leere auch ins Tal bringen. Viele Hinweise in und um die Hütte machen auf die Problematik aufmerksam.

Vielfach wird die Infrastruktur gedankenlos als naturgegeben betrachtet: von den in bequemen Etappen erreichbaren Hütten bis zu den intakten Wegen und Steigen. Gedankenlosigkeit ist es wohl auch, wenn noch immer Getränkedosen (die in Alpenvereinshäusern offiziell nicht mehr angeboten werden), häufiger jedoch deren abgerissene Verschlüsse, Glassplitter, Babyschnuller und Aluverpackungen die Wege zieren.

Auch der berühmte „Abschneider“ gilt als gefürchteter Naturzerstörer: Gerade der derzeitige Bergboom verstärkt die Trampelpfade auf Almböden und sorgt somit vermehrt für Erosionen. Während Abkürzungen meist dem jugendlichen Überschwang zuzuschreiben sind, beobachtet der Hüttenwirt allerdings bereits geändertes Umweltverhalten: „Den Mist machen heutzutage nicht die jungen, sondern die älteren Gelegenheitsbergsteiger.“ Fred Fettner