Der Beginn des Trauerspiels datiert im Jahre 1974. Der Ostsee ging es schon damals schlecht, und deshalb trafen sich Politiker der sieben Anrainerstaaten in Helsinki, um das „Übereinkommen über den Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes“ zu unterzeichnen. Der Vertrag trat freilich erst 1980 in Kraft, und noch einmal acht Jahre dauerte es, bis es einen konkreten Plan gab: Die Schadstoffeinleitungen sollen bis 1995 halbiert werden.

Schon damals wußte niemand so recht, was dieser Beschluß eigentlich bedeutete. Denn schon damals war unklar, wie stark beispielsweise die Sowjetunion die Ostsee als Kloake mißbraucht. Gleichwohl ließen es sich die Ministerpräsidenten und Umweltminister der Ostseeanlieger jetzt nicht nehmen, im schwedischen Kurort Ronneby den Beschluß von 1988 noch einmal zu wiederholen. Der Patient ist freilich mittlerweile klinisch tot – in weiten Bereichen eine Unterwasserwüste.

Die bloße Bestätigung des Beschlusses von 1988 ist indes nicht die einzige Tat, zu der sich die Politiker durchgerungen haben. Wie immer, wenn sie nicht weiterwissen, riefen die Regierungschefs und Minister erst einmal eine Arbeitsgruppe ins Leben, die nun Sanierungspläne ausarbeiten und koordinieren soll. Das ganze Vorhaben wird viel Geld kosten, 130 Milliarden Mark, schätzen Experten. Wie solche Summen angesichts des maroden Zustandes der Volkswirtschaften insbesondere Polens und der Sowjetunion mobilisiert werden sollen, darüber schwiegen sich die Politiker lieber vornehm aus. Daß auch die Weltbank der Arbeitsgruppe angehört, ist noch lange keine Garantie für den erforderlichen Geldsegen.

Gibt es berechtigte Hoffnung auf westliche Steuermilliarden? Das Schicksal der Nordsee läßt nichts Gutes erwarten. Obwohl von den reichsten Ländern der Erde gesäumt, kommt auch ihre Sanierung nicht voran. vo